Dienstag, 24. Oktober 2017

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Geschrieben von Karl Heinz Bleß am 02. Oktober 2017
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Was tun bei Herzschwäche?

Ärztefortbildung in der Kirchberg-Klinik – Professor Ingo Kutschka referierte

Sprachen in der Kirchberg-Klinik: Dr. Ernst Knoglinger (links) und Professor Dr. Ingo Kutschka.
Sprachen in der Kirchberg-Klinik: Dr. Ernst Knoglinger (links) und Professor Dr. Ingo Kutschka.

Welche chirurgischen Möglichkeiten gibt es für Ärzte bei einer Herzschwäche? Um dieses Thema ging es am Mittwoch (27.09.2017) bei einer Ärztefortbildung in der Kirchberg-Klinik. Dazu hatte der Ärztliche Leiter Dr. Ernst Knoglinger den neuen Direktor der Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der Universitätsmedizin Göttingen, Professor Dr. Ingo Kutschka, als Referenten gewonnen. Er selbst referierte darüber, wie eine moderne Rehabilitation unter optimalen Bedingungen das Leben und die Leistungsfähigkeit bei Menschen mit einer Herzschwäche verbessern kann.

 

Herzklappen als Ursache von Herzschwäche

Herzschwäche, die Ärzte Herzinsuffizienz nennen, bezeichnet einen Zustand, in dem das Herz nicht genügend Blut pumpen kann. Die Ursache kann beispielsweise an Herzklappen liegen, die nicht richtig schließen. Dann kann das Blut teilweise zurückfließen, wenn eine der vier Herzklappen undicht ist.

Chirurgen können eine Herzklappe durch eine künstliche ersetzen. Wie Kutschka erläuterte, ist es in günstigen Fällen möglich, eine Herzklappe minimalinvasiv einzusetzen, also mit kleinen Schnitten, ohne dass der Brustkorb geöffnet wird. Es gibt auch Möglichkeiten, eine defekte Herzklappe zu reparieren. Wie der Göttinger Chirurg beschrieb, ist eine Option, ein Klappensegel künstlich zu vergrößern, so dass die Klappe dann wieder richtig schließt. Das biete sich in manchen Fällen für die Mitralklappe an.

 

Künstliche Unterstützung für das Herz

Wenn andere Methoden nicht mehr helfen, haben sich in den letzten Jahren künstliche Herz-Unterstützungssysteme zunehmend bewährt. Mittlerweile werden alleine in Deutschland jährlich fast 1.000 dieser „Kunstherzen“ eingepflanzt. Diese Blutpumpen sind bei der technischen Entwicklung immer kleiner geworden. Waren es früher „kühlschrankgroße Geräte“, die Herzpatienten vor sich herschieben mussten, könne man heute die zur Stromversorgung notwendigen Batterien in einer Tasche am Körper tragen, während die Blutpumpe selbst gänzlich in den Körper eingepflanzt ist. Noch benötigen die Systeme ein Kabel, das in den Körper hinein verlegt ist und die Batterien mit der Blutpumpe verbindet. Ein solches Kabel verursacht häufig Probleme, weil Bakterien entlang des Kabels in den Körper eindringen und dort gefährliche Entzündungen verursachen können. Künftige Geräte wollen deshalb auf das Kabel verzichten und die elektrische Antriebsenergie drahtlos in den Körper übertragen, ähnlich wie dies heute bereits bei drahtlos aufladbaren Handys funktioniert.

Anders als unser Herz, das sich für jeden Herzschlag neu mit Blut füllen muss, bevor es dieses weiterbefördert, arbeiten moderne Herz-Unterstützungssysteme wie eine Elektropumpe und erzeugen einen ganz gleichmäßigen Blutfluss. Vollständig unterstützte Patienten haben deshalb keinen Puls mehr und dieses sonst so wichtige Lebenszeichen verliert bei ihnen an Bedeutung. „Das kann in Notfallsituationen, etwa wenn zu entscheiden ist, ob ein Patient reanimiert werden soll, bei Helfern zu Irritationen führen“, sagte Kutschka.

Früher waren Unterstützungssysteme nur als vorübergehende Lösungen gedacht, führte der Referent aus. Sie sollten die Zeit überbrücken, bis es ein Spenderherz für eine Transplantation gebe. Heute sei die Zahl der Organspender so stark zurückgegangen, dass gerade für ältere Patienten das Kunstherz oft als Dauerlösung eingepflanzt werde.

 

Ein Blick in die Zukunft

Für die Zukunft sucht Professor Kutschka aber auch noch andere Wege zur Unterstützung der Herzfunktion. Zusammen mit anderen Wissenschaftlern forscht er mit Stammzellen. Durch Gen-Manipulationen werden menschliche Hautzellen zurückentwickelt, so dass sie embryonalen Zellen gleichen. Dann werden sie so angeregt, dass sich daraus Herzzellen entwickeln, die dann auch pulsieren. Diese gewachsenen „Konstrukte“, wie er sie nannte, könnte man auf dem menschlichen Herz befestigen, so dass sie den Herzmuskel unterstützen. Ungelöst ist dabei noch, wie diese Konstrukte oder Patchs ausreichend durchblutet werden.

Eine weitere Idee ist, winzige Splinte aus den Konstrukten zu entwickeln, die man in größerer Zahl in den geschädigten Herzmuskel hinein schießt. Aber das ist alles noch in der Entwicklung. Immer sei kritisch nachzufragen, so reflektierte der Wissenschaftler, ob eine Methode einem Menschen wirklich hilft oder ob man ihm neue gesundheitliche Probleme einhandle. Das sei stets abzuwägen.

 

Rehabilitation und Therapie

Ausführlich ging Dr. Knoglinger in einem zweiten Vortrag auf die Rehabilitation von Patienten mit Herzschwäche ein. Wichtig sei, dass man mit ihnen über die Ziele des Therapieprogramms spreche. Nachdem medizinisch geklärt sei, welche Therapie der Patient wirklich brauche, stehe die Optimierung der Medikamente an erster Stelle, für die man sich zu Beginn einer Reha genügend Zeit nehmen sollte. In vielen Fällen seien die Patienten noch nicht so eingestellt, wie es den aktuellen Experten-Empfehlungen entspräche. Auch die individuelle Belastungsfähigkeit mit dem entsprechenden Training, beispielsweise auf dem Ergometer, bestimme die Therapie. Heute sei nicht mehr maximale Schonung, sondern das richtige Maß an Bewegung die beste Empfehlung, um verlorene Lebensqualität zurück zu gewinnen und die Lebenserwartung zu verlängern.

Besonders ging Knoglinger auf die Patientenschulung ein. Patienten müssten nicht nur verstehen, welche Krankheit sie haben. Sie sollten auch die Therapie verstehen und motiviert werden, selbst ihren Beitrag dazu zu leisten. Denn auch die beste Medikamententherapie helfe nicht, wenn der Patient die Medizin nicht oder unregelmäßig einnehme.

Die Schulung müsse nicht ein Arzt oder eine Ärztin alleine übernehmen, sondern es sollte ein Team sein, das aus kompetenten Beratern bestehe. „Wenn eine Schwester einen Tipp gibt, wie man etwas praktisch im Alltag umsetzt, ist das oft besser, als wenn ein Arzt dasselbe sagt.“ Mediziner würden oft nur als ärztliche Fachleute angesehen und nicht als Ansprechpartner für die Alltagskompetenz.


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