Sonntag, 19. November 2017

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Geschrieben von Dr. Friedrich Seven am 06. November 2017
Aktuell

Die Geschichte der Reformation in Goslar …

… erzählt vom Bad Lauterberger Buchautor Dr. Friedrich Seven (Pastor i. R.)

Dr. Friedrich Seven
Dr. Friedrich Seven
Ein lesenswertes und dokumentarisch spannendes Buch
Ein lesenswertes und dokumentarisch spannendes Buch


„Fahret also fort yn geduldt“ - so hat Martin Luther 1529 in einem Brief an die St. Jakobigemeinde in der damaligen Reichsstadt Goslar geschrieben. Diesen Brief las ich zum ersten Mal vor vierzig Jahren bei meinen Arbeiten an den Goslarer Akten+. Schon damals beeindruckte mich, dass Luther in seiner Arbeit als Reformator nie die Menschen und ihre besondere Situation aus dem Blick verloren hat. Nicht nur bei den Briefen, sondern auch bei den großen Schriften standen ihm stets bestimmte Adressaten vor Augen.
Der Brief an die Goslarer Gemeinde ist zum einen ein Beleg dafür, wie der Reformator immer auch als Seelsorger tätig gewesen ist, und zum anderen dafür, dass die Reformation im 16. Jahrhundert einen so umfassenden geschichtlichen Wandel darstellte, dem sich kaum ein Gemeinwesen und auch kaum ein Mensch entziehen konnte.
Auch die im ausgehenden Mittelalter durch den Erzbergbau reich und stolz gewordene Stadt Goslar musste sich dieser religiösen Entwicklung stellen.
Anfänglich war der Reichsstadt gar nicht an der religiösen Veränderung gelegen, ging eine solche Veränderung doch oft genug mit innerstädtischen Unruhen einher. Solche Unruhen aber hätten die Stadt beim Kaiser, Karl V., einem erklärten Gegner der Reformation, in Verruf bringen können. Dessen Sympathien und Protektion wollte sie sich lange nicht verscherzen.
So wurde die Reformation für die politische Führung der Stadt erst wichtig, als sie ab 1525 der Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel bedrängte und ihr die Rechte am Berg- und Hüttenwesen streitig machte, Karl V. aber seiner politisch und wirtschaftlich bedrängten Stadt nicht genügend beistand.
Hilfe gegen Herzog Heinrich konnte die Stadt nur finden, wenn sie sich der inzwischen ab 1530 im Reich mächtig gewordenen Partei der evangelischen Stände, dem Schmalkaldischen Bund, anschließen würde.
Dazu aber musste sie evangelisch werden, also die Reformation einführen und durfte den Konflikt mit dem Kaiser nicht mehr scheuen. Für die an der neuen religiösen Bewegung schon lange stark interessierten Bürger, insbesondere die einfachen Bergleute, Handwerker und kleinen Kaufleute war die bedrohlich gewordene politische Lage der Stadt ein Grund mehr dafür, das Goslar endlich evangelisch würde.
Es dauerte allerdings eine ganze Zeit, bis die neuen Bündnispartner der Reichsstadt in der Bergwerkssache zur Seite standen. Schließlich war ja der Schmalkaldische Bund als ein Defensivbündnis in religiösen und nicht in wirtschaftspolitischen Angelegenheiten gedacht.
Es dauerte bis zum Anfang der 40er Jahre, bis Goslar endlich in einem Gebietskrieg die militärische Unterstützung seiner religiösen Verbündeten fand und das Berg- und Hüttenwesen wieder für einige Jahre zurückgewinnen konnte.
„Fahret also fort yn geduldt - so hatte Luther geschrieben und mit seiner berühmten Schrift „Wider Hans Worst“ späterhin auch direkt im Konflikt mit dem Herzog gegen diesen Partei ergriffen.
Als ich nach der langen Zeit im Pfarramt die Goslarer Akten wieder zur Hand nahm, um nunmehr die Geschichte der Reformation in Goslar zu schreiben, wurde mir bald klar, dass die zum Durchhalten ermahnenden Trostworte des Reformators in den Buchtitel gehören.
Sie erfassen in einem Augenblick seelsorgerischer Zuwendung zu einer bedrängten Gemeinde die geschichtliche Tragweite eines bist heute nicht abgeschlossenen Prozesses, in dem der Einzelne im Ganzen nicht verloren gehen soll.
Bis heute bedürfen wir in den Kirchen, in den Gemeinden und im privaten Leben des Trostes.

Wen es interessiert, den möchte ich auf mein gerade erschienenes Buch „Fahret also fort yn geduldt- Die Geschichte der Reformation in Goslar“ hinweisen.
Es ist im Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld herausgekommen und für den Betrag von 14,90 € im Buchhandel erhältlich (ISBN: 978-3-7395-1127-6).
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