Samstag, 16. Dezember 2017

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Geschrieben von Karl Heinz Bleß am 04. Dezember 2017
Aktuell

Forschungsprojekt im Diabeteszentrum

Wissenschaftliche Studie zum Kaltplasma-Verfahren beginnt im Januar 2018

Das Kaltplasma-Gerät erinnert ein wenig an einen kleinen Staubsaugerfuß, ist aber kleiner. Von dem eigentlichen Behandlungsprozess ist typischerweise nichts zu sehen. (Fotos: Diabeteszentrum Bad Lauterberg)
Das Kaltplasma-Gerät erinnert ein wenig an einen kleinen Staubsaugerfuß, ist aber kleiner. Von dem eigentlichen Behandlungsprozess ist typischerweise nichts zu sehen. (Fotos: Diabeteszentrum Bad Lauterberg)
Deutlicher Heilungsprozess: Der Fuß der Patientin während einer der Behandlungen…
Deutlicher Heilungsprozess: Der Fuß der Patientin während einer der Behandlungen…
…und eine Woche später.
…und eine Woche später.

Ein neues Verfahren mit Kaltplasma, das eine schnellere Wundheilung verspricht, soll im Diabeteszentrum Bad Lauterberg erforscht werden. Das teilte der Ärztliche Leiter der Klinik, Dr. Thomas Werner, in einem Gespräch mit.

Große Hoffnung setzt Werner darauf, dass großflächige Wunden am diabetischen Fuß deutlich schneller abheilen werden. Das Verfahren mit Kaltplasma ist zwar schon medizinisch zugelassen, mit einer wissenschaftlichen Studie soll nun aber belegt werden, dass und unter welchen Bedingungen die Therapie auch wirklich hilft. Mit der wissenschaftlichen Auswertung ist Assistenzärztin Blerina Resulaj beauftragt, die ihre Doktorarbeit über das Thema schreiben will.

Mit Plasma bezeichnet man einen Aggregatzustand wie fest, flüssig oder gasförmig. Erzeugt wird dieser Zustand – einfach ausgedrückt – indem man einem Gas Energie zuführt. Der Aggregatzustand ist sehr flüchtig. In dem Kaltplasma-Verfahren, so der Leitende Arzt weiter, wird Energie der Luft zugeführt. Entwickelt wurde dieses Verfahren für medizinische Anwendungen im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald. Aus diesem Forschungsgebiet haben sich drei Firmen ausgegründet, um technische Geräte marktreif zu machen. Eine davon ist in Duderstadt angesiedelt, die CINOGY GmbH, eine Tochterfirma von Otto Bock. Sie hat die Studie in Auftrag gegeben.

 

Erstaunlich schneller Heilungsprozess

Bei der Behandlung wird ein Gerät auf die zu behandelnde Wunde geführt. In einem unscheinbaren unten offenen Kunststoffkästchen ist ein etwa faustgroßer Schwamm. In diesem Schwamm findet der eigentliche physikalische Prozess statt. „Das ist völlig unspektakulär. Man sieht während der Behandlung nichts. Es riecht nur ein wenig“, beschreibt der Arzt den Prozess.

Der erste Vorteil: Die Behandlung wirkt sterilisierend. Das Plasma tötet Bakterien, Viren und Pilze ab. Außerdem wird die Wunde besser durchblutet und heilt deshalb besser ab. In der Vorbereitungsphase für die Studie, in der die Therapeuten an dem neuen Gerät und für die Dokumentation geschult werden, hat die Klinik das Verfahren bereits bei drei Patienten angewendet. Bei der ersten Patientin mit einem diabetischen Fußsyndrom, war bereits nach einer Woche ein erstaunlich schneller Heilungsprozess zu erkennen, nach zwei Wochen war die Wunde zugeheilt.

Zur Vorbereitung waren die üblichen Behandlungen durchgeführt worden, um die Wunde zu säubern und die Durchblutung zu verbessern. Dann kam die Behandlung mit Kaltplasma fünfmal täglich zum Einsatz – mit dem durchschlagenden Erfolg. Inzwischen ist die Patientin zur ambulanten Weiterbehandlung entlassen.

 

Wirksamkeit eindeutig zu belegen?

Für den unbeteiligten Beobachter ist das wie ein Wundermittel. Gerade Diabetiker fürchten Wunden an den Füßen, denn wegen der oft typisch schlechten Durchblutung heilen die Wunden nicht oder nur schwer ab. Es besteht ein hohes Risiko von Infektionen. Diese können sich rasch ausbreiten und bleibende Gesundheitsschäden verursachen. Am Fuß sind Amputationen die gefürchtete Folge.

Ob das Kaltplasmaverfahren in anderen Fällen auch so gut funktioniert und was dabei stören kann, soll nun wissenschaftlich untersucht werden. Die Herstellerfirma finanziert die Studie, das positive Ethik-Votum der Kommission an der Uni Göttingen liegt vor.

Um eindeutig die Wirksamkeit belegen zu können, müssen Heilungsverläufe bei Patienten mit möglichst gleichen Symptomen verglichen werden. Bei einer Beobachtungsgruppe wird das neue Verfahren angewendet, bei einer anderen nicht. Beide Krankheitsverläufe werden genauestens dokumentiert und verglichen.

 

Fachklinik mit Fußstation für Studie gewählt

Warum wurde das Diabeteszentrum Bad Lauterberg für die Studie ausgewählt? Sicher ist ein wichtiges Kriterium, dass es hier in der Fachklinik für Diabetes genügend Patienten gibt, die für eine solche Studie geeignet sind. Außerdem gilt Dr. Werner als Fußspezialist, der in der jüngsten Vergangenheit eine Fußstation mit umfassenden diagnostischen Möglichkeiten aufgebaut hat. Zuständig für die Station ist Oberärztin Diana Sarreiter, die seit April im Diabeteszentrum tätig ist. Dr. Werner doppeldeutig: „Wir wissen, wie Füße gehen – speziell bei Diabetikern.“

Mit den Kooperationspartnern im Fußnetzwerk Niedersachsen kann das Bad Lauterberger Zentrum auch operative Verfahren anbieten. So arbeiten die Ärzte mit drei Chirurgen des Orthopaedicums Northeim sowie mit der Uniklinik Göttingen und der Angiologie (Gefäßheilkunde) des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende zusammen.


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