Freitag, 28. April 2017

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Geschrieben von ski am 11. April 2017
Wirtschaft

High-Tech und Handwerk

Die Maler- und Lackiererinnung Osterode besichtigte die Wistoba-Pinselfabrik

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Auf Rüttelplatten werden die Borsten erst einmal ausgerichtet
Auf Rüttelplatten werden die Borsten erst einmal ausgerichtet
Borsten und Zwinge
Borsten und Zwinge
Arndt Stollberg führte das fachkundige Publikum selbst durch die Fabrik
Arndt Stollberg führte das fachkundige Publikum selbst durch die Fabrik
Die neueste Maschine...
Die neueste Maschine...
...fertigt Heizkörperpinsel
...fertigt Heizkörperpinsel
Auch Feinhaarpinsel, Schulmalpinsel und die sogenannten Bob-Ross-Pinsel gehören zum Sortiment
Auch Feinhaarpinsel, Schulmalpinsel und die sogenannten Bob-Ross-Pinsel gehören zum Sortiment
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„Vom Berliner Strichzieher bis zur Deckenbürste produzieren wir alles vor Ort“, erklärte Arndt Stollberg seinen Besuchern, und er freute sich: „Heute muss ich mal nicht erklären, was ein Berliner Strichzieher ist“. Denn bei der Betriebsbesichtigung am 30.03.17 hatte er das denkbar fachkundigste Publikum – die Maler- und Lackiererinnung Osterode besichtigte die Wistoba-Pinselfabrik in Barbis im Rahmen ihrer Frühjahrsversammlung.

Pinsel für Profis

Rund sechseinhalb bis sieben Millionen Pinsel stellt Wistoba jährlich her, und zwar mit Hilfe von rund 80 Mitarbeitern auf 5000 qm Produktionsfläche im Gewerbegebiet Bühwiesen. Und die Profis, also die Maler und Lackierer sind auch genau die Kunden, für die Wistoba produziert: „Wir verkaufen ausschließlich über den Großhandel an Profis, für Do-It-Yourselfer und Baumärkte produzieren wir nicht“. Denn hier handelt es sich nicht um Billigware, sondern um Werkzeug, das den Ansprüchen der Profis gerecht werden muss. Verkauft wird es zum einen unter eigenem Namen, zum anderen wird auch für namhafte Markenhersteller produziert. Auch Private-Label-Fertigung und ausgefallene Kleinserien sind möglich: zum Beispiel ein Pinsel, der auf Kundenwunsch mit Kunstfaserborsten in den Nationalfarben Luxemburgs, blau, weiß und rot, hergestellt wird. Worüber sich die Maler etwas wunderten – schließlich sieht man die Borstenfarbe nach dem Eintauchen in den Lack eigentlich sowieso nicht mehr….

Vom Pinselstiel zur Borste

Zwingen aus Metall oder Kunststoff, Pinselstiele aus ukrainischer Buche oder Gummibaum aus indonesischem Plantagenholz mit einem natürlichen Restanteil von Latex – viele Faktoren beeinflussen den Gebrauchswert des Pinsels. Ganz besonders auch die Zusammensetzung der Borsten: „Die Naturborste wird immer weniger verwendet“, erklärt Stollberg. „Durch die wasserbasierenden Lacke haben wir heute einen gestiegenen Kunstfaseranteil“. Wenn es aber Naturborste sein soll, dann gelten dreifach gekochte Schweineborsten als das Nonplusultra. Sie stammen aus China, werden aber in Erfurt veredelt, bevor sie in den Pinseln der Barbiser Firma verarbeitet werden.

Handwerkskunst und High-Tech

Die Innungsmitglieder ließen sich die einzelnen Produktionsschritte vorführen, vom Leimen der Borsten in der Zwinge (das Teil, das den Stiel mit dem Pinselkopf verbindet)  über das Herausschleudern loser Borsten und das Beschneiden bis zur Verpackung. Dabei ist echtes Handwerk direkt neben hochautomatisierter Fertigung zu sehen: bei Kleinserien, die auf spezielle Kundenwünsche eingehen, gibt es durchaus noch Pinselmacherkunst zu bewundern. Wenn der Vorband auf einem Ring- oder Rundpinsel blitzschnell gewickelt und verknotet wird, erfordert das eine besondere Fingerfertigkeit. Durch das Entfernen dieser Schnur kann der Maler einen abgenutzten Pinsel wieder richten und damit die Lebensdauer verlängern.  Und obwohl die gestandenen Malermeister bei der Betriebsbesichtigung das Neuverknoten des Vorbands alle sehr wohl gelernt hatten, wollte sich doch so recht keiner selbst herantrauen und sie sahen lieber den Mitarbeitern bei der Fertigung über die Schulter.

Große Stückzahlen werden dagegen maschinell gefertigt, so beispielsweise Heizkörperpinsel. Die entsprechende Maschine ist ganz neu und eine Einzelanfertigung nach den Vorgaben der Wistoba.  300.000 € Kaufpreis und ein Jahr Bauzeit:  „Es gibt keine Maschinen zur Pinselherstellung, die man sozusagen von der Stange kaufen kann – es gibt ja kaum noch Pinselhersteller. Da sind unsere Ideen und unser Know-How eingeflossen und die Maschine wurde speziell für uns entwickelt und gebaut“, so Stollberg.

Es wird also weiter investiert in den Standort Bad Lauterberg-Barbis, wo die Wistoba im September diesen Jahres ihr 100-jähriges Bestehen feiern wird.

Personalknappheit an den Messeständen, Beschulung der Azubis: aus der Innungsversammlung

Bei der anschließenden Innungsversammlung, die gleich in den Räumen der Wistoba stattfand, unter Leitung von Innungsobermeister Oliver Eckstein waren die Hauptdiskussionspunkte die Beteiligung der Maler- und Lackiererinnung an der Energiesparmesse Osterode und an der BITO. Der Berufsinformationstag BITO findet am 23. September an der BBS I und II in Osterode statt. Für beide Messen ist es sehr schwierig, genügend Leute zu gewinnen, um die Messestände durchgehend besetzt zu halten. Aufgrund der Wichtigkeit beider Veranstaltungen für die Innung soll aber auch künftig daran teilgenommen werden.
Am 11.Mai wird eine berufskundliche Gemeinschaftsfahrt der Innung zu einer Werksbesichtigung in den Spreewald stattfinden.

Diskutiert wurde außerdem über die Beschulung der Auszubildenden in der BBS Einbeck und über Probleme, die Schule mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Die Beschulung und Durchführung der Prüfungen in Kooperation mit der Innung Northeim/Einbeck läuft sehr gut, wie Lehrlingswart Peter Lehmbach berichtete.


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