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Donnerstag, 24. Mai 2018

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Geschrieben von ski am 12. März 2018
Das Thema

Der Bismarckturm ist krank

Lange Dauer, hohe Kosten: der Aussichtsturm benötigt eine aufwändige Sanierung.

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Der Bismarckturm 1904. Foto: Archivgemeinschaft
Der Bismarckturm 1904. Foto: Archivgemeinschaft
Bismarck-Relief. Foto: Stefan Bellini (Lizenz CC0,public domain)
Bismarck-Relief. Foto: Stefan Bellini (Lizenz CC0,public domain)
Der Kummelturm war der Vorläufer des Bismarckturms. Bild: Archivgemeinschaft
Der Kummelturm war der Vorläufer des Bismarckturms. Bild: Archivgemeinschaft
Der "Führer durch Bad Lauterberg und seine Umgebung", erschienen 1892.
Der "Führer durch Bad Lauterberg und seine Umgebung", erschienen 1892.

Dieser Beitrag erschien erstmals in LauterNEUES - Das Magazin, Ausgabe November 2017

„Der Turm ist wirklich schützenswert – man bedenke nur, wie aufwändig vor 115 Jahren alles Baumaterial in Handarbeit den Berg heraufgeschleppt werden musste“, sagt Heinz-Gerd Trüter, der Vorsitzende des Harzklub-Zweigvereins Bad Lauterberg. Doch damit der Bismarckturm auf dem Kummel die nächsten Jahrzehnte überdauern kann, ist eine gründliche Sanierung nötig. Denn die Jahre haben dem Aussichtsturm stark zugesetzt: „Die Aussenfassade ist desolat. Von den gemauerten Simsen läuft Wasser ins Mauerwerk ein und zerstört es“, erklärt er. Bei einer Erneuerung der Simse im Jahr 2000 seien diese verputzt worden – unter anderem deshalb läuft das Wasser am Mauerwerk herunter: „Man hat es damals nicht besser gewusst“.

Eine Grundsanierung ist unabdingbar, urteilt auch die Denkmalschutzbehörde. Dementsprechend müssen also das Fugenmaterial und viele Steine erneuert werden – natürlich denkmalschutzgerecht mit den originalen Materialien. Bei dem rund 15 Meter hohen Aussichtsturm ist dazu eine komplette Einrüstung notwendig: „Man mag sich gar nicht vorstellen, was alleine das schon kosten wird.“ Bis Jahresende 2017 wird der Harzklub-Zweigverein es jedoch genauer wissen, denn bis dahin sollten die Gutachten und Kostenschätzungen der beauftragten Planungsbüros eingetroffen sein. Die ersten Einschätzungen der Spezialisten lauten: „Der Bismarckturm ist krank“.

Schon jetzt greift der Harzklub in die eigene Vereinskasse, um die Vorplanungen zu finanzieren. Die Planungsphase wird vermutlich bis Ende 2018 dauern; bis die gesamte Sanierung abgeschlossen ist, werden wohl acht bis zehn Jahre vergehen, so schätzt Trüter. Und eines ist jetzt bereits klar: Für die Gesundung des kranken Bismarckturms wird eine sechsstellige Summe benötigt. Ohne Fördermittel wird es also auf gar keinen Fall gehen, und selbst wenn ein Großteil durch solche Gelder abgedeckt werden kann, muss der Verein immer noch einen enormen Eigenanteil als Cofinanzierung stemmen: „2018 beginnt der Spendensammelmarathon“.

Vermessungs- und Aussichtspunkt vom Kummel

„Von der Höhe des Turmes bietet ein herrliches Panorama sich unsern Blicken dar. Unter uns liegt der Hausberg und das bewohnte Oderthal mit Lauterberg, Königshütte und Drahthütte, das nach Westen zur stromdurchglänzten Aue sich verbreitet. Gerade entgegengesetzt fällt unser Blick auf den häufig wolkenumhüllten Brocken mit Achtermann und Rehberg zur Linken und Wurmberg zur Rechten. (…) Im Nordwesten ragt der Knollen mit seinem Turme empor, (…) und am Rande des Gebirges, fast durch den Wald verdeckt, leuchtet der helle Dolomitfelsen der Ruine Scharzfels herüber.“
So schwärmt der 1892 erschienene „Führer durch Bad Lauterberg und seine Umgebung“ von dem Ausblick, den man vom Kummelturm, dem hölzernen Vorläufer des Bismarckturms hatte.

1885 war der Kummelturm als Aussichtsturm erbaut worden. Dieser Standort auf 536 Metern Höhe wurde bereits bei der Vermessung des Harzes als Triangulationspunkt benutzt; noch heute findet man dort hinter dem Turm einen Obelisken, der daran erinnert: „Hammersteins Lindenpunkt“.

Doch der pavillonähnliche Holzturm war nicht von Dauer: „Bislang hatte der Forstfiskus für Bau und Erhaltung des Turmes Sorge getragen. Schon seit längerer Zeit  befindet sich der Turm aber in einem derartig baufälligen Zustande, daß eine Besteigung desselben polizeilich verboten werden mußte“, so stellte der Harz-Club, Section Lauterberg, im Jahr 1903 fest. So entstand die Idee, ein steinernes Bauwerk „aus härtestem Porphyr und Ziegel“ an der gleichen Stelle zu errichten.

Kultfigur Bismarck und der Lauterberger Tourismus

Zu dieser Zeit gab es eine große Verehrung für den Reichskanzler Otto von Bismarck in der Bevölkerung, der als Reichsgründer verehrt und, nicht nur von studentischen und konservativ-nationalen Kräften, zu einer Art Übervater hochstilisiert wurde – heute würde man sicherlich von einer Kultfigur sprechen. Vielerorts wurden Bismarckdenkmäler und -türme errichtet; 146 davon existieren heute noch.

In Lauterberg, das sich damals noch nicht mit dem Titel eines Bades schmücken konnte, war die eigentliche Triebfeder für den Bau vor allem der Tourismus.  Schließlich wollte und musste man den vielen Kurgästen auch etwas bieten. Der umtriebige Sanitätsrat Dr. Tischmann, seinerzeit Vorsitzender des Harzklubs, schaffte es, mit Hilfe von Fördergeldern des Harzklub-Hauptvereins und vieler privater Spender, dass der 15 Meter hohe Turm binnen eines Jahres fertiggestellt wurde. Am 19.07.1904 wurde er feierlich eingeweiht. Und das, obwohl der Harzklub im gleichen Zeitraum noch einen weiteren Aussichtsturm erbaute: vier Wochen später wurde auch der Knollenturm seiner Bestimmung übergeben. Dort hatte sich ursprünglich ein Aussichtsturm aus Holz befunden, der ein Jahr zuvor von einem Blitzschlag zerstört worden war.

Wie der Bad Lauterberger Harzklub diesen finanziellen und personellen Kraftakt überhaupt meisterte, kann man sich kaum vorstellen, so sagt Peter Laumann vom Harzklubvorstand: „Neben den beiden Türmen wurden in dieser Zeit ja auch noch Bauden, Bänke und Wege angelegt“.

Ein herzlicher Dank geht an die Bad Lauterberger Archivgemeinschaft für die Unterstützung bei diesem Beitrag.


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