Dienstag, 17. Oktober 2017


Geschrieben von Professor Dr. med. Berend Willms am 18. Juni 2017
Kultur und mehr

Populär wie ein Wunschkonzert, das die Lachmuskeln reizt

Albert Lortzings "Zar und Zimmermann" – Rezension der Premiere der Sondershäuser Schloßfestspiele 2017

Foto: Tilmann Graner, Schlossfestspiele Sondershausen
Foto: Tilmann Graner, Schlossfestspiele Sondershausen
Foto: Tilmann Graner, Schlossfestspiele Sondershausen
Foto: Tilmann Graner, Schlossfestspiele Sondershausen
Foto: Tilmann Graner, Schlossfestspiele Sondershausen
Foto: Tilmann Graner, Schlossfestspiele Sondershausen

Für die sommerlichen Schloßfestspiele Sondershausen hat sich die Theater Nordhausen/LOH-Orchester Sondershausen GmbH immer populäre Werke ausgewählt, wie „Anatevka“, „My Fair Lady“ oder „Der Fliegende Holländer“. Dieses Jahr steht die Komische Oper „Zar und Zimmermann“ von Albert Lortzing auf dem Programm.

Die Oper ist deshalb so beliebt, weil viele ihrer Musiknummern oft im Sonntagnachmittags- Wunschkonzert gegeben werden. Durch ihre Strophenform prägt sich der Gesang durch  die mehrmalige Wiederholung  leicht ein.
Wer kennt nicht die Auftrittsarie des Bürgermeisters „O sancta justitia“ mit dem Refrain „O, ich bin klug und weise, und mich betrügt man nicht“, oder die Romanze des französischen Botschafters Marquis de Chateauneuf „Lebe wohl, mein flandrisch’ Mädchen, wider Willen muß ich fort“, mit romantischem Schmalz von Angelos Samartzis, Nordhäuser Ensemblemitglied, gesungen. Auch das Lied des Zaren „Einst spielt ich mit Szepter, mit Krone und Stern“ rührt viele Zuhörer zu Tränen, während die Einstudierung der Kantate mit van Betts Solo „Heil sei dem Tag, an welchem Du bei uns erschienen“ durch ihre buffoneske Handlung die Lachmuskeln reizt.

Um eine größtmögliche Textverständlichkeit zu gewährleisten, wählte Lortzing für seine Spieloper nach dem Vorbild der französischen Opéra comique den Wechsel zwischen gesprochenen, Ereignisse vorantreibenden Dialogen und klar überschaubaren musikalischen Nummern. Das gibt andererseits der Regisseurin, der Nordhäuser Operndirektorin Anette Leistenschneider, die Gelegenheit, eigene Texte einzufügen, wie z. B: Der Bürgermeister bietet dem englischen Botschafter Lord Syndham, Chao Deng vom Thüringer Opernstudio,  das Du an mit den Worten: „You can say you to me“ , oder Werke der Weltliteratur zitierend mit „What watch?“
Die Verständlichkeit ist aber auch durch die deutliche Aussprache der handelnden Personen und die elektronische Verstärkung des Gesangs gegeben.

Herrlich ist so der Bürgermeister von Saardam, van Bett, der von Michael Tews, einem Gast vom Anhaltinischen Theater in Dessau, gegeben wird. Entweder dumm oder selbstironisch sagt er, als sein künftiger Schwiegersohn den Brief des Zaren vorliest, dass er die Zustimmung zur Heirat „mit der Nichte des schwachköpfigen Bürgermeisters“ gibt: „That’s me!“ Die ernste Rolle des Zaren singt Manos Kia; Bariton, Nordhäuser Ensemblemitglied, ebenso wie der andere Peter, der geflüchtet Russe,  der Tenor Marian Kalus.

Das Thema Verwechslungskomödie bietet natürlich viele Chancen für komische Verwicklungen. Der französische Botschafter erkennt den richtigen Zaren, während der fast als Komiker agierende englische Botschafter dem falschen aufsitzt. Zwischen den vielen Männern behauptet Marie, die entzückende Leonor Amarol, auch eine Neuerwerbung des Nordhäuser Theaters, ihre Souveränität, bis sie endgültig in den Hafen der Ehe mit dem Zimmergesellen Peter Iwanow einläuft.
Auch der berühmte Holzschuhtanz wird von der Regie verulkt - mal tanzen sie mit den Holzschuhen in der Luft, mal mit den Holzschuhen an den Händen, mal an den Füßen. Viel Klamauk!

Michael Helmrath leitet souverän hinter dem Vorhang das LOH-Orchester. Die Kostüme sind üppig und das Bühnenbild mit dem aufstrebenden Schiffssteven für alle drei Akte passend. In der Pause gibt es die beliebten Thüringer Bratwürste und andere Leckereien im Schlosshof. Hoffentlich gibt es keinen Regen bis zum 8.7., so lange laufen die Schloßfestspiele nämlich noch.


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