Sonntag, 19. November 2017


Geschrieben von ski am 16. September 2013
Aktuell

Friedenslinde statt Gerichtslinde

Am Sonntag pflanzte die Deutsch-Französische Gesellschaft Göttingen zusammen mit der ArGe Burgruine Scharzfels einen Baum zum Gedenken an die deutsch-französische Aussöhnung

Von links: Klaus Meyer, Christa Neifeind, Dr. Sigrid Vogel, Firouz Vladi mit dem von der Forstverwaltung gespendeten Wildling.
Von links: Klaus Meyer, Christa Neifeind, Dr. Sigrid Vogel, Firouz Vladi mit dem von der Forstverwaltung gespendeten Wildling.
Das richtige Wappen: der Bürgermeister übergab eine Fahne an die ArGe
Das richtige Wappen: der Bürgermeister übergab eine Fahne an die ArGe
Heiner Hunke und sein Schüler sorgten für den festlichen musikalischen Rahmen
Heiner Hunke und sein Schüler sorgten für den festlichen musikalischen Rahmen
...und das sind die leckeren Franzbrötchen
...und das sind die leckeren Franzbrötchen

Nach einer Woche Dauerregen war der Weg zur Burgruine Scharzfels kein leichter Gang. Auch nicht für Staatssekretär Michael Rüter, der noch ortskundige Hilfe benötigte, um die Burgruine überhaupt zu finden. Doch schließlich konnte die Veranstaltung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Göttingen und der Arbeitsgemeinschaft Burgruine Scharzfels beginnen, und das sogar bei vergleichsweise freundlichem Wetter. Es war ja auch ein erfreulicher Anlass, der die Gäste zusammengeführt hat. Denn vor 50 Jahren wurden die Elysée-Verträge geschlossen, die eine Grundlage der heutigen Völkerfreundschaft zwischen Deutschland und Frankreich bilden, und vor 250 Jahren, nämlich 1763, kam der Friedensvertrag Hannover-Frankreich zustande.

Burgzerstörung als Propaganda und Medienereignis

Zu diesem Zeitpunkt existierte die Burg Scharzfels jedoch nur noch als Ruine, war sie doch im Siebenjährigen Krieg zweimal eingenommen worden. Erst die zweite Einnahme jedoch endete nach einer Belagerung durch die französischen Truppen unter General Vaubécourt mit der vollständigen Zerstörung. Über Hergang und militärische Bedeutung des Geschehens gibt es jedoch sehr unterschiedliche Darstellungen, wie die Anwesenden beim Vortrag des Göttinger Professors Marian Füssel erfuhren.
Die Burg soll ja beinahe uneinnehmbar gewesen sein - so zumindest die Darstellung - , jedoch sei den Franzosen ein geheimer Weg gezeigt worden, auf welchem sie ungesehen zum Liethberg heranrücken und von dort die Burg unter Beschuss nehmen konnten. Je nach Quelle soll der Verräter entweder ein Bauer aus Barbis oder aber ein Bürger aus Lauterberg gewesen sein.

Ganz besonders auseinander gehen die Darstellungen in den Zeitungen in Wien, Berlin und Paris: "Die Zerstörung war damals vor allem auch ein Medienereignis", so Füssel. Und als solches diente die Nachricht der Zerstörung der Burg Scharzfels durchaus als propagandistische Ressource. Auf der hannoverschen Seite wurde betont, dass die Burg von nur wenigen Invaliden verteidigt wurde, die gegen eine Übermacht von 1500 Franzosen (später war sogar von 6000 bis 11000 die Rede) großen Schaden anrichteten, bevor sie sich ergeben mussten. Zudem seien nur ein paar alte Kanonen zu erbeuten gewesen, dass die zum Abtransport bestellten Karren wieder weggeschickt werden mussten. Auf französischer Seite wurde dagegen betont, was für ein wichtiger Sieg errungen wurde, schließlich habe die stark verteidigte Burg als uneinnehmbar gegolten, sie habe eine große militärische Bedeutung und man habe etliche Kanonen erbeutet.

Gerichtslinde und Staatsgefängnis

Wie die Wahrheit auch ausgesehen haben mag - 1761 jedenfalls wurde die Burg vollständig gesprengt und ist seither eine Ruine. Vor dem ehemaligen Burgtor jedoch befand sich noch bis etwa 1900 ein mehrere hundert Jahre alter Baum, die Gerichtslinde, an der Delinquenten gehängt wurden - denn die Burg diente vor ihrer Zerstörung ja auch als kurhannoversches Staatsgefängnis. Nun soll dort eine Friedenslinde, Tilia Pacifica, wachsen. Noch ist sie klein, doch wie Firouz Vladi von der ArGe erklärte: "Es ist ja nicht der Sinn der Sache, einen Riesenbaum zu pflanzen, sondern jedes Jahr wiederzukommen und zu sehen, wie er wächst". Und Christa Neifeind, die Präsidentin der Deutsch-Französischen Gesellschaft Göttingen, erklärte: "Es ist eine schöne französische Tradition, zu einem erfreulichen Anlass einen Baum zu pflanzen". Für die Deutsch-Französische Gesellschaft war es in diesem Jahr die vierte und letzte Veranstaltung zum Jubiläum der Elysée-Verträge.

Das richtige Wappen auf der Fahne

Bad Lauterbergs Bürgermeister Dr. Gans freute sich, der ArGe eine Fahne überreichen zu können, und zwar die Fahne mit dem Bad Lauterberger Stadtwappen, dem schreitenden Löwen auf den Zinnen. "Denn dieses Wappen ist ursprünglich das der Grafen zu Scharzfels-Lutterberg - und wenn hier über Burg Scharzfels eine Fahne wehen sollte, dann doch die Richtige".
Ganz zum Schluss der Veranstaltung gab es noch einen kulinarischen Höhepunkt: endlich  konnten sich die Gäste den an diesem Tag bereits viel gepriesenen Franzbrötchen widmen, die denn auch alle Erwartungen erfüllten.

Archäologische Grabungen wären wünschenswert

Nachdem um und auf der Burgruine ja schon vieles erreicht wurde - so wurde jetzt schon der Felsen freigeschnitten und ein Rundweg um die Burg angelegt und beschildert sowie etliche Hinweistafeln aufgestellt - hat die Arbeitsgemeinschaft noch jede Menge weiterer Ideen und Pläne. "Die zwei Regalmeter an historischen Akten im Staatsarchiv sind überaus reichlich und genau - so genau, dass man die Ruine damit sogar nachbauen könnte", so Firouz Vladi. Gut, dazu wird es sicherlich an Geld fehlen. Aber einen anderen konkreten Wunsch hat die ArGe auch noch: derzeit sammelt sie Spenden, um archäologische Grabungen zu finanzieren. "Denn obwohl man über die jüngere Geschichte der Burg so viel weiss, ist über die Entstehung, den Ursprung kaum etwas bekannt."


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