Montag, 21. August 2017


Geschrieben von Boris Janssen am 08. Juli 2014
Aktuell

Königshagen bekommt Windpark

Spatenstich für Millionenprojekt: Private Investoren bauen drei Windräder, Stadtwerke und HarzEnergie denken schon jetzt an Erweiterung

Energiewende, quo vadis? In Königshagen eindeutig Richtung Windkraft.
Energiewende, quo vadis? In Königshagen eindeutig Richtung Windkraft.
Gingen entschlossen zu Werke (von links): Holger Luthin, Mark Winter, Thomas Gans, Horst Winter und Wolfgang Graf.
Gingen entschlossen zu Werke (von links): Holger Luthin, Mark Winter, Thomas Gans, Horst Winter und Wolfgang Graf.
Zukunftsorientiert: Der nicht ganz zweijährige Jonas Berthold hilft seinem Opa Horst Winter beim Spatenstich.
Zukunftsorientiert: Der nicht ganz zweijährige Jonas Berthold hilft seinem Opa Horst Winter beim Spatenstich.
Es kann losgehen mit dem Bau von WEA 1, der ersten Windenergieanlage.
Es kann losgehen mit dem Bau von WEA 1, der ersten Windenergieanlage.
Hier sollen mit je einem Abstand von etwa 300 Metern voneinander drei 100 Meter hohe Windräder gebaut werden – Erweiterung nicht ausgeschlossen.
Hier sollen mit je einem Abstand von etwa 300 Metern voneinander drei 100 Meter hohe Windräder gebaut werden – Erweiterung nicht ausgeschlossen.

Angenehm warme Temperaturen und ein leichter, beständiger Wind – die Initiatoren des Windparks Königshagen hätten sich keine besseren Bedingungen wünschen können für den Spatenstich am Montagnachmittag (07.07.2014). Zusammen mit dem Bürgermeister haben sie die Bauphase für ein weiteres Bad Lauterberger Millionenprojekt eingeläutet: Entlang des sogenannten Grünen Bandes, der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, sollen drei Windenergieanlagen „der mittleren Leistungsklasse entstehen.“ Deren technische Daten: Hersteller Senvion (ehemals REpower), Turmhöhe 100 Meter, Turmdurchmesser am Boden vier Meter, Länge der Rotorblätter 50 Meter, Nennleistung zwei Megawatt.

Eine einzige Anlage soll übers Jahr gesehen so viel Strom produzieren, dass damit umgerechnet 850 Vier-Personen-Haushalte versorgt werden könnten. Der Strom aller drei Anlagen zusammen würde also vereinfacht gerechnet schon für 10.200 Menschen reichen, und damit für einen Großteil aller Bad Lauterberger Privathaushalte. Faktisch wird der Strom natürlich einfach in die beiden benachbarten Stromnetze eingespeist, in Barbis in das der HarzEnergie und in Silkerode in das der Thüringer Energie.

 

Vom Küchentisch zur Kommanditgesellschaft

Einen siebenstelligen Betrag wird das Projekt kosten. Seinen Anfang nahm es vor fünf Jahren an einem Küchentisch in Königshagen. Die Familie Winter hatte Besuch von ihren schwäbischen Verwandten, der Familie Graf. Irgendwie kam die Unterhaltung auf Windenergie und ob so etwas nicht auch in Königshagen möglich wäre. „Danach haben wir uns schlau gelesen und Fachmessen besucht“, erzählte Mark Winter. Nachdem dann auch erste Gespräche mit Nachbarn positiv verliefen, wurde die Projektplanung Windkraft Königshagen GbR gegründet und los ging es mit dem „Abenteuer BImSchG-Genehmigung“, wie es Winter nannte. Denn Windenergieanlagen werden nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz behandelt.

So wurde es ein langer Weg, bis die Genehmigungen vorlagen und die Finanzierung stand. Zwei dicke Ordner hat Mark Winter zusammengesammelt voller Gutachten und Stellungnahmen unterschiedlichster Verbände und Institutionen, „von Behörden, von denen wir gar nicht wussten, dass es sie gibt oder was sie tun.“ Werden Vögel oder Fledermäuse gestört, Nachbarn belästigt, Landschaft oder die Umwelt beeinträchtigt? Was meint die Luftfahrtbehörde dazu? Und vor allem: Was sagt die Windpotentialanalyse – lohnt sich das Ganze überhaupt ökonomisch gesehen?

Ja, das soll es. Für einen Standort im Binnenland seien die Windverhältnisse ausreichend gut und konstant, so die Prognosen. Deshalb habe man sich für Generatoren der mittleren Leistungsklasse mit für den Standort optimalen Eigenschaften entschieden, erklärte Mark Winter. Auch das Kosten-Ertrags-Verhältnis stimme.

Somit konnte dann die Suche nach Investoren beginnen, die das Projekt der Planungsgesellschaft umsetzen. Zwei der drei Windräder wollen private Investoren aus ganz Deutschland betreiben. Das dritte übernehmen die Familien Winter und Graf zusammen mit der Königshagener Familie Luthin als „Windenergie Königshagen GmbH & Co. KG“ – von der Gesprächsrunde am Küchentisch zur Kommanditgesellschaft.

 

Rückenwind von Behörden und Nachbarn

Mark Winter ist Geschäftsführer dieser neuen Gesellschaft. Als solcher bedankte er sich beim Spatenstich für den kräftigen Rückenwind, den die Initiatoren erhalten haben. Man sei praktisch überall auf große Unterstützung gestoßen – bei den Mitarbeitern der einzelnen Fachbereiche von Landkreis Osterode, Stadt Bad Lauterberg und der Gemeinde Sonnenstein, bei den beteiligten Verbänden wie Forstgenossenschaft oder Wasser- und Bodenverband und auch bei den Grundeigentümern.

Nach dem symbolischen Spatenstich am Standort des ersten Windrades müssen nun erst einmal die Wege nach Königshagen ein wenig ausgebaut werden. Schließlich erwarten die Bauherren in Kürze riesige Spezialtransporte. Im August sollen die Fundamente entstehen, im September dann bereits die erste Anlage aufgebaut werden. „Spätestens im Dezember fließt umweltfreundlicher Strom von allen drei Anlagen“, ist Mark Winter überzeugt.

Das muss er auch sein. Die Politik hat mit ihrer Reform des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) diesen straffen Zeitplan vorgeschrieben: Nur wenn die Königshagener Anlagen noch in diesem Jahr eine erste Kilowattstunde ans Stromnetz abgeben, bekommen sie über 20 Jahre die Garantievergütung von anfangs etwa neun Cent pro Kilowattstunde. Ansonsten würden die neuen, deutlich ungünstigeren Regelungen greifen – und die Kalkulation völlig über den Haufen geworfen.

 

Gegenwind aus der Bundespolitik

Mit diesem plötzlichen Gegenwind haben nun auf jeden Fall die Stadtwerke Bad Lauterberg und die HarzEnergie zu kämpfen. Eigentlich haben die Unternehmen schon längst die Erweiterung des Windparks um vier weitere Anlagen entlang der Landesgrenze in Richtung Bartolfelde geplant, verriet Bürgermeister Dr. Thomas Gans. Da diese Anlagen aber auf keinen Fall mehr in diesem Jahr ans Netz gehen können, müssen nun wohl erst einmal neue Berechnungen angestellt werden. „Die EEG-Reform fährt uns da voll in die Parade.“

Dennoch freute sich Thomas Gans über den Spatenstich in Königshagen. Zum einen mit Blick auf die Energiewende: „Anderswo wird viel geredet, hier passiert jetzt etwas.“ Zum anderen mit Blick auf die wirtschaftlichen Aspekte für die Stadt: „Wir können froh sein, dass hier solche Investitionen getätigt werden.“ Jeder, der das tue, verdiene Unterstützung. Nun hoffe er, dass sich die Mühen lohnen, „ein toi, toi, toi an die Familien, dass mit den Anlagen etwas zu verdienen ist.“

Doch da ist er einigermaßen beruhigt, denn natürlich kennt auch der Bürgermeister die Prognosen. „Die Verhältnisse hier sehen gut aus“, versicherte Gans den Gästen auf der Anhöhe in Königshagen – bei T-Shirt-Wetter und leichtem, beständigem Wind.


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