Freitag, 18. August 2017


Geschrieben von Christian Dolle, Kirchenkreis Harzer Land am 26. Februar 2017
Kirchen

„Die Unterschiede rechtfertigen nicht die Trennung“

Pfarrer Dirk Sachse referierte beim ökumenischen Empfang der Kirchen in Herzberg

Die Musiker der evangelischen Jugend Harzer Land sorgten für ein gelungenes Rahmenprogramm
Die Musiker der evangelischen Jugend Harzer Land sorgten für ein gelungenes Rahmenprogramm
Pfarrer Dirk Sachse
Pfarrer Dirk Sachse
Pfarrer Sachse und Pastor Bernhard Sulimma
Pfarrer Sachse und Pastor Bernhard Sulimma
Pastor Volker Englisch
Pastor Volker Englisch

Beim ökumenischen Empfang der Kirchen in Herzberg geht es alljährlich um aktuelle gesellschaftliche Themen, die nicht selten einen Nerv treffen und auch über die Veranstaltung hinaus für Gesprächsstoff sorgen. In diesem Jahr ging es am vergangenen Freitag natürlich um Martin Luther, genauer um das Thema „Reformation und Ökumene“. Klingt auf den ersten Blick nicht überraschend, doch das, was Referent Pfarrer Dirk Sachse zu sagen hatte, ging dann doch über  die gängigen Anmerkungen zum Luther-Jahr hinaus.

Pastor Volker Englisch von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Herzberg stellte Dirk Sachse, Pfarrer in Salzgitter und Mitglied der Diözesan-Kommission im Bistum Hildesheim, der früher auch schon in Osterode gewirkt hatte, als einen „Fachmann für Gemeinschaft“ vor. Immerhin habe der Pfarrer zu Zeiten der Castor-Transporte in seinem Gemeindehaus Demonstranten und Polizisten in trauter Einheit neben dem eigentlichen Schauplatz der Auseinandersetzungen verpflegt und dabei gute Erfahrungen gemacht.

So wunderte es auch nicht, dass der Geistliche in seinem Referat die Gemeinsamkeiten der christlichen Kirchen betonte und die Unterschiede als „Akzentverschiebungen“ bezeichnete. Zur Zeit der Reformation habe sich die christliche Einheit im Abendland aufgelöst, es habe zeitweilig sogar drei Päpste gegeben und der Humanismus änderte den Blickwinkel der Menschen. „Die Zeit war also reif“, stellte Pfarrer Sachse fest. Heute müsse man sich allerdings klar machen, dass die Übereinstimmungen überwiegen, allem voran der Bezug auf die Heilige Schrift sowie der Glaube an Gott und Christus und nicht zuletzt „dass die Liebe dass beherrschende Prinzip der Ethik sein sollte“.

Damals sei es vorrangig um Herrschaftsansprüche gegangen, was heute nicht mehr der Fall sei und vieles laufe ja auch jetzt schon gemeinsam. In der anglikanischen Kirche, genauer gesagt in Indien gebe es sogar schon ein ganz offizielles Modell eines Zusammenschlusses der katholischen und evangelischen Kirchen. „Irgendwann muss man ja mal anfangen“, so Sachse, „die Unterschiede rechtfertigen nicht die Trennung.“
Im Anschluss an seinen Vortrag erinnerte Pastor Bernhard Sulimma von der evangelisch-lutherischen Nicolai-Kirche an das Jahr 1995, in dem seine Gemeinde ihr 150-jähriges Bestehen und die römisch-katholische St. Josef-Kirchengemeinde ihr 100-jähriges Bestehen mit einem gemeinsamen Kirchenfest gefeiert haben. „Wir sollten überlegen, was machen wir 2020?“, schloss er.

Da feiert die Welt 500 Jahre Reformation und dann kommen mal eben solche Aussagen – natürlich sorgte das im Anschluss für reichlich Gesprächsstoff. Insbesondere die Rolle des Papstes und seine Unfehlbarkeit wurden diskutiert, ebenso die Bereitschaft der katholischen Kirche, historische Fehler einzuräumen, und die klare Trennung von Staat und Kirche, die insbesondere den Baptisten ein Anliegen ist. Allerdings wurden auch diese Gespräche sachlich und freundschaftlich geführt, beim gemeinsamen Sektempfang und toller Musik der evangelischen Jugend Harzer Land, die noch um die eine oder andere Zugabe gebeten wurden.


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