Samstag, 16. Dezember 2017


Geschrieben von Christian Dolle (Kirchenkreis Harzer Land) am 04. August 2017
Kirchen

Der Grundstein für die Integration ist gelegt

Serie Willkommenskultur des Kirchenkreises Harzer Land: Teilnehmer an Integrationskursen erlernen mehr als nur die deutsche Sprache

Stolz haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Zeugnisse entgegengenommen. Auf die Zertifikate müssen sie noch ein bisschen warten – die deutsche Bürokratie braucht halt Zeit.
Stolz haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Zeugnisse entgegengenommen. Auf die Zertifikate müssen sie noch ein bisschen warten – die deutsche Bürokratie braucht halt Zeit.
b_300_0_16777215_00_http___www.lauterneues.de_images_stories_com_form2content_p21_f6854_403.jpg
Der aus unterschiedlichen Kulturkreisen zusammengesetzte Kurs…
Der aus unterschiedlichen Kulturkreisen zusammengesetzte Kurs…
…ist zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen.
…ist zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen.

Aus den Medien ist das Thema Flüchtlinge weitgehend verschwunden. In der Realität spielt es hingegen nach wie vor eine große Rolle – auf dem Mittelmeer ebenso wie mitten in unserer Gesellschaft. Doch während an Europas Außengrenzen viel Leid passiert, vor dem wir gerne die Augen verschließen, sind viele Flüchtlinge bei uns längst dazu übergegangen, sich ein neues Leben aufzubauen und Hoffnung für die Zukunft zu schöpfen.

Der Schlüssel für einen Neustart in Deutschland ist nach wie vor die Sprache. Die gilt es zu erlernen, intensive Sprachkurse und auch die offiziellen Integrationskurse sind die Basis für ein neues Leben hier. Angeboten werden sie unter anderem von der gemeinnützigen GmbH STArQ für Menschen. Dort haben 23 Menschen gerade  (Ende Juli 2017) erfolgreich einen Kurs absolviert und dafür ihre Zeugnisse erhalten.

 

Voller Tatendrang, sich zu integrieren

„Es ist ein B1-Integrationskurs mit insgesamt 600 Stunden Unterricht, davon 100, die der sogenannten Orientierung gelten, sich also mit gesellschaftlichen Fragen befassen“, erläutert Kursleiterin Britta Faist-Rüders. Die Teilnehmer kommen aus Syrien, Iran, Eritrea, der Türkei, Polen, Ungarn und Albanien. Anfangs sprachen sie verschiedene Sprachen und kamen aus sehr unterschiedlichen Kulturkreisen. Während sie jetzt auf ihre Zeugnisse warten, unterhalten sie sich auf Deutsch und scheinen wie jede Schulklasse eng zusammengewachsen.

„Ich habe nächste Woche ein Vorstellungsgespräch“, erzählt jemand. „Und ich habe mich in Göttingen an der Uni eingeschrieben“, berichtet ein anderer. Sie alle haben eine Perspektive, sind offenbar in Deutschland gut angekommen und voller Tatendrang, sich in diese Gesellschaft zu integrieren. Sprachlich sollte das kein Problem mehr sein und auch untereinander haben sich in der gemeinsamen Zeit des Lernens viele Freundschaften entwickelt. Nur der Kontakt zu Deutschen ist noch rar, deuten einige an, sie hoffen, dass sich das noch entwickelt, wenn sie erst einmal arbeiten.

 

Eindruck von der deutschen Bürokratie

Als Britta Faist-Rüders und STArQ-Leiter Stefan Kühn die Zeugnisse verteilen, wirken die Kursteilnehmer stolz, diese Hürde geschafft zu haben. Doch es mischt sich auch ein wenig Wehmut darunter, dass die gemeinsame Zeit nun endet und sie ihren Weg alleine gehen müssen. Immerhin war der Kurs auch eine Art Schutzraum, in dem sie die deutsche Sprache und manche Gepflogenheiten erst einmal ausprobieren konnten, ohne dass sie Gefahr liefen, dass jemand lacht oder sie auf Ablehnung stoßen.

Hinzu kommen gemeinsame Erlebnisse wie die Fahrt nach Berlin, wo sie von Dr. Roy Kühne in den Bundestag eingeladen wurden, damit ihnen die hiesige Politik ein Stück näher gebracht wird. Allerdings bekommen sie an diesem Tag auch noch einen Eindruck von der typisch deutschen Bürokratie, denn während die Zeugnisse ebenso feierlich wie herzlich überreicht werden, sollten die offiziellen Zertifikate vom Bundesamt für Migration (BAMF) eigentlich mit der Post kommen, sind aber noch nicht da.

„Das ist eben eine große Behörde und die haben dort viel zu tun“, tröstet Faist-Rüders, „wenn aber in zwei Wochen noch nichts da ist, dann melden Sie sich bitte bei mir, dann frage ich dort noch einmal nach.“ Immerhin müssen die Zertifikate häufig einer Bewerbung beigefügt werden und sind eben der offizielle Nachweis für den Willen zur Integration. Ja, es ist manchmal schwer, sich durch den deutschen Behördendschungel zu kämpfen. STArQ hat ihnen manches abgenommen, doch sie hoffentlich auch fit genug gemacht, jetzt selbst ihren Weg zu gehen.

 

Ein Artikel aus der Serie „Willkommenskultur“ des Kirchenkreises Harzer Land über Flüchtlingshilfe und Willkommenskultur in der Region. Weitere Artikel folgen in lockeren Zeitabständen.


.................................................................................................................................................


Blaulicht

Bild der Woche