Samstag, 21. Oktober 2017


Geschrieben von ski am 06. März 2017
Kultur und mehr

„Wir wissen alles, alles, alles über dich…“

Virtual Love: das Päda-Musical begeisterte auf der ganzen Linie

Ben (sitzend) wird wieder auf Linie gebracht
Ben (sitzend) wird wieder auf Linie gebracht
Ich und du und alle unsre Freunde - sind auf Facebook
Ich und du und alle unsre Freunde - sind auf Facebook
Können sich nur über das Smartphone treffen: Ben und Gaby (Foto: Christian Dolle)
Können sich nur über das Smartphone treffen: Ben und Gaby (Foto: Christian Dolle)
Die Siebziger in Musik -und Mode (Foto: Christian Dolle)
Die Siebziger in Musik -und Mode (Foto: Christian Dolle)
Auf YouTube gibt es wirklich alles....
Auf YouTube gibt es wirklich alles....
Emoticons - mehr braucht man doch nicht, um sich mitzuteilen
Emoticons - mehr braucht man doch nicht, um sich mitzuteilen
Haben sie sich vielleicht doch einmal getroffen?
Haben sie sich vielleicht doch einmal getroffen?
Der Werbespot aus vergangener Zeit - und José Lopez de Vergara als Persil-Mann
Der Werbespot aus vergangener Zeit - und José Lopez de Vergara als Persil-Mann

Wir schreiben das Jahr 2052, und die Zeiten sind nicht nur rosig. Schon das Aufwachen ist unerfreulich. Die blecherne Stimme des Computers nörgelt im schönsten Zukunftsdenglisch an den körperlichen und psychischen Werten herum und drängelt Protagonist Ben zum überfälligen Bodycheck. Schließlich droht ihm der Burnout – das ist schlecht für die Arbeitsleistung. Damit die wiederhergestellt wird, schicken ihn die drei alleswissenden Herren (Marius Bergmann, Daniel John, Tobias Metzger), die wohl nicht zufällig an die Agenten aus der Matrix erinnern, zur Erholung auf eine virtuelle Zeitreise.

Wohin zur Erholung? Zurück in die Siebziger

Aber wohin? In die 1970er. Das ist natürlich ein Kulturschock. Aber schlimmer als die FlowerPower-Klamotten und die halluzinogenen Drogen ist die Tatsache, dass Ben auf seinem Erholungstrip in die Vergangenheit zwar alles sehen und hören, aber keinen Kontakt aufnehmen kann. Die Natur kann er unter seinen Fußsohlen spüren, aber keine Fußabdrücke hinterlassen. Und als er auf Gaby trifft, kann sie ihn nicht einmal sehen oder hören. Doch Bens Freund Tom hat – trotz gewisser Skrupel und Dauerüberwachung – einen Weg gefunden, wie Ben mit seiner Angebeteten kommunizieren kann: es gelingt ihm, ein Smartphone aus dem Jahr 2017 in die Siebziger Jahre zu schmuggeln.

Romanze auf dem Smartphone

Jetzt werden Videochats möglich – und noch vieles mehr. Denn auch die Welt 2017 sieht ganz anders aus als die, die Gaby kennt. Die Symbolsprache aus Emoticons, die freiwillige Selbstentblößung auf Facebook, kotzende Katzen, bizarre Clips und Selbstdarsteller auf YouTube, und Google, das alles über jeden weiß – all das lernen Gaby (Jennifer Hajdu) und ihre Freundin Ulla (Marie Breier) kennen. Doch kein Regelverstoß bleibt in einer überwachten Gesellschaft unentdeckt. Der Boss Max Salztal (Jan-Arne Schenk) sorgt dafür, dass ihm Jahr 2052 niemand aus der Reihe tanzt. Also wird es ein echtes Aufeinandertreffen für Ben und Gaby nie geben – oder kann man seiner Zeit entkommen?

Professionelle Leistungen von allen Beteiligten

Pickepackevoll war der Bad Lauterberger Kursaal am Samstag (05.03.17) zur Aufführung des Päda-Musicals „Virtual Love“. Alle drei Jahre stemmt das Bad Sachsaer Privatgymnasium die Aufführung eines eigenen Musicals – ein gewaltiger Kraftakt, denn das, was da aufgezogen wird, hat mit einer Schulaufführung eigentlich nichts mehr zu tun. Inszenierung, Bühnenbild, Darsteller und Musiker – alles wird auf oberstem Niveau geboten.

Der Text von Marion Loges-Palatsios traf genau ins Schwarze. Das Arrangement von Andreas Bürgel brachte die Musik, die teils von Musiklehrer José V. Lopez de Vergara, teils von Tobias Metzger, Schüler aus der 12. Jahrgangsstufe, stammt, bestens zur Geltung. Und die packende Geschichte wurde durch die tollen Einfälle der Inszenierung perfektioniert. Aber ganz besonders muss man die darstellerischen Leistungen herausheben, die auf der ehrwürdigen Kurhausbühne geboten wurden – da kann sich mancher Profi eine Scheibe davon abschneiden.

Der Schulalltag kehrt zurück

Kein Wunder, dass das Publikum hingerissen war. Es war die dritte und letzte Aufführung des Musicals – aber angesichts der tollen Darbietung waren die Zuschauer der Meinung: „Die müssten jetzt eigentlich auf Tournee gehen!“ Doch der Zeitmangel in diesem Schuljahr ließ auch eine Beteiligung an den Schultheatertagen nicht zu. Stattdessen zieht nun der Schulalltag wieder ins Pädagogium ein. Schließlich musste auch einiges an Unterricht zurückstehen, seitens des Chors, des Orchesters, der Darsteller, der Akrobaten und der vielen Helfer, die nötig sind, um Bühnenbild, Requisiten und Videosequenzen herzustellen.

Senil und Sonor

Apropos Video: die mit großem Aufwand nachgestellten Werbeclips für Persil, äh, Senil („Da weiß man, was man hat“) und Lenor, äh, Sonor („Sag's nicht deiner Mutti, aber zuhause sind die Nachthemden irgendwie behaglicher“) - waren ein echtes Highlight. Auch wenn sie der heutigen Generation ebenso befremdlich vorkommen dürften, wie die Gegenwart dereinst im Jahr 2052 wirken wird. Die Elterngeneration im Publikum hatte die heute so betulich wirkende Fernsehwerbung von einst sofort wieder vor Augen - wir sind eben Kinder unserer eigenen Zeit.

Die jetzigen Kinder müssen sich mit der jetzigen Welt auseinandersetzen – Facebook, YouTube und Google inklusive. „Wir wissen alles, alles, alles über dich…..“ Wer diesen Refrain einmal im Ohr hat, wird ihn so schnell nicht wieder los. Überwachen lassen wir uns ja jetzt schon, darauf muss man nicht bis 2052 warten.

Wenn alle alles wissen - wer bin denn ich?
Wenn alle alles wissen - wer bin denn ich?

Tolle Leistung von Chor...
Tolle Leistung von Chor...

...und Orchester
...und Orchester

Drei ausverkaufte Vorstellungen - eigentlich noch nicht genug für dieses tolle Musical
Drei ausverkaufte Vorstellungen - eigentlich noch nicht genug für dieses tolle Musical


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