Samstag, 21. Oktober 2017


Geschrieben von Mareike Spillner (Kirchenkreis Harzer Land) am 03. April 2017
Kultur und mehr

„Auch auf Luther sang und trank die SED“

Zweiter Vortrag der Universitätstage: Der Missbrauch Luthers in der DDR

Theologe und DDR-Oppositioneller: Erhart Neubert.
Theologe und DDR-Oppositioneller: Erhart Neubert.
Während die DDR Luther zum 500. Geburtstag im Jahr 1983 mit üppigen Postwertzeichen für sich vereinnahmen wollte…
Während die DDR Luther zum 500. Geburtstag im Jahr 1983 mit üppigen Postwertzeichen für sich vereinnahmen wollte…
…blieb die Deutsche Bundespost bei kleinen, bescheidenen Briefmarken.
…blieb die Deutsche Bundespost bei kleinen, bescheidenen Briefmarken.

Zu Ehren des 500. Reformationsjubiläums beleuchten die Lauterberger Universitätstage des Kulturkreises in diesem Jahr die Reformation aus unterschiedlichen Perspektiven. Der zweite Vortrag hat sich am Donnerstagabend (30.03.2017) mit dem Missbrauch Luthers in der DDR beschäftigt. Ein schwieriges und heikles Thema, möchte man als Besucher meinen. Doch der Referent Dr. phil. Erhart Neubert aus Erfurt beziehungsweise Limlingerode, zu damaliger Zeit Studentenpfarrer, Mann der Zeitgeschichte und in der DDR selbst in verschiedenen Oppositionsgruppen tätig, brachte seine Sicht der Dinge mit vielen Zitaten, Beispielen und persönlichen Erlebnissen anschaulich nahe. Sein Wissen niedergeschrieben hatte Neubert bereits 1997: In jenem Jahr erschien sein Standardwerk „Geschichte der Opposition in der DDR 1949 - 1990“.

In seinem Vortrag stellte der Referent heraus, dass die Reformation Luthers in allen Zeiten von den weltlichen Herren für ihre jeweiligen Zwecke in Anspruch genommen worden sei. Während Martin Luther in den ersten Jahren der DDR in der Ideologie der SED noch als „Fürstenknecht“ und „Bauernschinder“ diffamiert worden sei, habe sich das propagierte Bild im Laufe der Jahrzehnte komplett gewandelt. 1978 sei Luther in der Propaganda der SED plötzlich als humanistischer Vorkämpfer der frühbürgerlichen Revolution gegen den Feudalismus erschienen und als solcher in den höchsten Tönen gelobt worden.

 

„Eine gewisse Sprachlosigkeit“ nach dem Vortrag

„Auch auf Luther sang und trank die SED“, stellte Neubert augenzwinkernd fest, was durch einige Schriften überliefert sei. Sowieso beeindruckte der Referent mit seiner kurzweiligen Art und hatte einige Lacher auf seiner Seite. Auch dass er üppige, eingeschweißte Luther-Marken der DDR von 1983 (Luthers 500. Geburtstag), die damit ihren Anspruch auf Luther dokumentieren wollte, und einen Brief von seinem Vater an ihn selbst aus dem gleichen Jahr mit einer kleinen, bescheidenen Luther-Marke der Bundesrepublik herumgab, begeisterte nicht nur die geschichtsinteressierten Zuhörer.

Schade, dass an solchen Vorträgen oft nur das gesetztere Publikum teilnimmt. In jedem Fall war das letztgenannte erstmal still nach dieser interessanten Geschichtsstunde der etwas anderen Art. „Ich spüre die Nachdenklichkeit und eine gewisse Sprachlosigkeit“, kommentierte Pastor i.R. Helmut Sassenberg dann auch im Anschluss. „Klug geredet – danke!“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht folgendes: Im Mai geht es mit den Universitätstagen zum Lutherjahr weiter.

 

Weitere Termine

Am Donnerstag, 4. Mai 2017, referiert Prof. Dr. Thomas Kaufmann (Göttingen) zum Thema „Luthers Haltung gegenüber den Juden und dem Islam“.

Am Donnerstag, 11. Mai 2017, lautet das Thema: „Die Lutherjubiläen der vergangenen Jahrhunderte“ mit Prof. Dr. Hartmut Lehmann, Kiel.

Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, Veranstaltungsort das Café Amadeus in Bad Lauterberg.

 

Im ersten Vortrag sprach Pastor i. R. Dr. Friedrich Seven „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ – hier nachzulesen.


...........................................................................................................


Kommentare

  • Keine Kommentare gefunden
Melde Dich an um zu kommentieren

Blaulicht

Bild der Woche