Sonntag, 19. November 2017


Geschrieben von Professor Dr. med. Berend Willms am 14. November 2017
Kultur und mehr

Christoph Ehrenfellners Luther-Sinfonie begeisterte bei der Welturaufführung

Rezension der Uraufführung in Nordhausen

Auf dem Foto verneigen sich (v. li.nach re.) Daniel Klajner, der Dirigent, Christoph Ehrenfellner, der Komponist, Manos Kia, Bariton und Markus Popp, Chorleiter des Theaterchores.
Auf dem Foto verneigen sich (v. li.nach re.) Daniel Klajner, der Dirigent, Christoph Ehrenfellner, der Komponist, Manos Kia, Bariton und Markus Popp, Chorleiter des Theaterchores.

Christoph Ehrenfellner ist „Composer in Residence“ am Theater Nordhausen/LOH Orchester Sondershausen.  Composer in Residence ist so etwas wie ein Stadtschreiber. Er hat eine finanzierte Stelle,  – in Nordhausen unterstützt durch „The Nicholas Berwin Charitable Trust“, eine Stiftung - , aber ohne berufliche Verpflichtungen und kann sich voll und ganz seiner Kunst, also dem Komponieren widmen.

Im Lutherjahr, zum 500jährigen Reformationsjubiläum, packte Christoph Ehrenfellner als großes Projekt eine Komposition an, die wesentliche Ideen des Reformators in Töne fasst.

Kernthemen des lutherischen Lebens und Wirkens

In seiner Sinfonie für Bariton-Solo, Chor und großes Orchester ging er der Frage nach: Wer war Martin Luther auf seiner allerersten menschlichen Ebene? Was war seine geistig-spirituelle Ausgangsposition, und wohin hat er sich bewegt? Wie gestalte ich das seelisch-emotionale Profil Martin Luthers mit den Mitteln der Kunst, der Musik.
Dabei ist der äußere Fahrplan konventionell: Vier Sätze, schnell, langsam, schnelles Scherzo , dramatisches Finale. Der Gesang des Bariton-Solo (Manos Kia) und des Chores (Theater-Chor und Kantorei Nordhausen) kommt erst im 3. Satz dazu.

Die vier Sätze widmen sich Kernthemen lutherischen Wirkens. Der erste Satz ist überschrieben „Weh, die große Stadt Babylon“ und steigt im seelischen Umfeld Martin Luthers ein, indem er die Apokalypse als inneres Erlebnis nachzeichnet. Von den tiefen Posaunen ausgehend steigen die Töne – den Turm zu Babylon bauend – weiter getragen von Holzbläsern und Streichern  in die Höhe, bis der rächende Gott alles zusammenstürzen lässt.

Im 2. Satz, überschrieben Adagio: „De profundis clamavi“, bringt Ehrenfellner eine Choralmelodie ein, wie auch dann im 3. und 4. Satz, „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir“.  Die symbolisiert Luthers Sehnsucht nach Erlösung und die Luthersche Kernformel der Gnade.
Der 3. Satz, das Scherzo, heißt „Jugend ist wie der Most“ , der lässt sich nicht halten, er muß vergären und überlaufen.  Gesungen werden vom Solisten, kommentiert vom Chor, ausschließlich Original-Zitate Luthers, z. B. aus seinen Tischreden. „Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang“, oder „Tritt frisch auf, tu’s Maul auf, hör bald auf“ – eine beherzigenswerte Vorschrift für alle Redner.  Musikalisch-thematisch bringt das Scherzo ein lustiges Spiel mit dem berühmten Choral „O Heiland, reiß die Himmel auf“ durch alle Tonarten, Tempi und mit allen Instrumenten variierend.

Das Finale „Wachet auf…“stellt Luthers Worten Zitate aus Zarathustra von Friedrich Nietzsche gegenüber. Daraus entsteht das spezifisch Lutherische: Entgegengehen! Wir müssen ihm entgegen gehen.  Dem Choral „Wachet auf!“ ist dieses Wort entnommen, und so endet im Jubel des unisono gesungenen Chorals die Sinfonie.
Eine großartige Leistung des Orchesters, des Solisten und der beiden Chöre.
Das Publikum war begeistert und spendete langanhaltenden Beifall. 


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