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Freitag, 16. November 2018


Geschrieben von Boris Janssen am 15. Juni 2018.
Politik

CDU/WgiR will Traumspielplatz im Kurpark verhindern

Sinneswandel bei der Ratsgruppe: Ein Traumspielplatz passt dort nicht rein, findet sie. Er solle woanders entstehen – wo, lässt die Gruppe offen.

Idylle und Ruhe pur: Das ist so schön hier im Kurpark, da möchte die Gruppe CDU/WgiR auf der Wiese im Hintergrund bloß keinen Traumspielplatz. Das Baugrundstück im Vordergrund habe damit nichts zu tun.
Idylle und Ruhe pur: Das ist so schön hier im Kurpark, da möchte die Gruppe CDU/WgiR auf der Wiese im Hintergrund bloß keinen Traumspielplatz. Das Baugrundstück im Vordergrund habe damit nichts zu tun.
Das reicht völlig: Laut Antrag der Gruppe soll die Spielplatzfläche im Kurpark auf das vorhandene Stück begrenzt werden.
Das reicht völlig: Laut Antrag der Gruppe soll die Spielplatzfläche im Kurpark auf das vorhandene Stück begrenzt werden.
Platz verbraucht: Der im Bau befindliche Minigolfplatz rückt schon bis fast an den Verlobungsstein (im Bild links) heran. Dahinter soll am Kurpark nichts verändert werden.
Platz verbraucht: Der im Bau befindliche Minigolfplatz rückt schon bis fast an den Verlobungsstein (im Bild links) heran. Dahinter soll am Kurpark nichts verändert werden.

Geht es nach der Ratsgruppe CDU/WgiR, kann sich der Kinderschutzbund Bad Lauterberg seinen großen Wunsch abschminken, zum Weltkindertag am 22. September 2018 einen ersten Teil des Traumspielplatzes im Kurpark zu eröffnen. Mehr noch: Die Gruppe will überhaupt gar keinen Traumspielplatz mehr im Kurpark haben – es solle doch lieber ganz woanders einer entstehen. Um einen entsprechenden Antrag hat sich am Mittwoch (13.06.2018) der Ausschuss für Soziales, Jugend, Schulen, Kultur und Sport gezofft. Letztlich stimmte der Ausschuss für eine Vertagung – das Thema würde damit erst wieder nach der Sommerpause, vermutlich im September, behandelt.

 

Zu wenige Parkplätze für Spielplatz-Besucher?

Die Gruppe CDU/WgiR hatte beantragt, „die Fläche für einen Spielplatz im Kurpark auf den Bereich neben dem Minigolfplatz zu begrenzen [also auf den bereits bestehenden Spielplatz, Anm. d. Red.] und für den sogenannten Traumspielplatz eine neue und geeignete Fläche an einem anderen Ort zu finden. Der neue Standort soll Spielmöglichkeiten für alle Kinder in allen Altersgruppen bieten und ein Ausflugsziel für Familien aus Bad Lauterberg und ortsfremde Besucher mit ausreichend Parkraum werden.“

Die 30.000 Euro an Spenden, die der Kinderschutzbund bisher für das Projekt gesammelt hat, reichten ohnehin nur für vielleicht drei Geräte, erklärte Rolf Lange (CDU), die könne man auch in den vorhandenen Spielplatz integrieren. „Davon ist kein Traumspielplatz möglich.“ Ein Traumspielplatz solle etwas „richtig Großes“ sein, das viele Menschen anlockt. Aber hätte man das im Kurpark, gebe es ein Parkplatzproblem – „das können wir den Anwohnern der Sebastian-Kneipp-Promenade nicht zumuten.“

Wie so ein „richtiger“ Traumspielplatz finanziert werden soll und vor allem wo er denn besser aufgehoben wäre, ließ die Gruppe dabei offen. Zum Geld wurde gar kein Wort verloren. Und andere Orte bringe man absichtlich nicht ins Spiel, betonte Volker Hahn (WgiR): „Wir wollen nicht jetzt mit Konkurrenzplätzen kommen, die würden sowieso nur abgeschmettert.“

 

„Es hat nie einen Beschluss für diese Stelle gegeben“

Ohnehin scheint es der Gruppe erst einmal darum zu gehen, kurz vor knapp einen Traumspielplatz im Kurpark zu verhindern. Noch genauer: Er soll auf keinen Fall auf der Wiese in Nähe des inzwischen abgerissenen Bahnhofs zwischen eingezäuntem Kurpark-Teil und Tennisanlage entstehen, wie es der Kinderschutzbund anstrebt. „Wir haben uns schon sehr gewundert, was so alles kursiert“, sagte Rolf Lange. Zumal nach seinem Verständnis gilt: „Es hat nie einen Beschluss gegeben, dass der Spielplatz dort hin soll.“ Im Gegenteil habe der Rat Ende 2017 ein neues Konzept für einen Spielbereich rund um die neue Minigolfanlage angemahnt.

Ein Blick zurück: Im April 2016 stellte Bürgermeister Dr. Thomas Gans im Rat ein Konzept zur Neugestaltung des Kurparks öffentlich vor. Das hatte allerdings schon damals mehrere Jahre lang offen im Bürgermeisterzimmer gehangen und dürfte den Fraktionen längst bekannt gewesen sein. Es sah exakt an der diskutierten Stelle einen großen Spielplatz vor. Deshalb bewarb sich die Stadt – vom Verwaltungsausschuss abgenickt – auch mit dieser Stelle beim Radio-Gewinnspiel um einen „Traumspielpark“ im Wert von etwa 150.000 Euro. Nachdem die Bewerbung zwei Mal erfolglos blieb, initiierte der Kinderschutzbund im August 2017 sein Projekt Traumspielplatz. Kurz darauf brachte die CDU einen Antrag ein, das Konzept für die Umgestaltung des Kurparks zu überarbeiten und den Spielplatz im oberen Bereich des Kurparks einzuplanen. Das wiederum kam bei den dort benachbarten Hotels nicht gut an.

Heute erklärte Michael Schmidt als Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters die Sache sachlich-nüchtern. Um einen Traumspielplatz zu verwirklichen, habe man den Kinderschutzbund einbeziehen sollen – und der wünsche sich den Spielplatz im Kurpark. Man habe sich auch mit dem Planungsbüro über den Bereich um den Minigolfplatz unterhalten, allerdings reiche die Anlage schon fast bis an den Verlobungsstein heran, und darüber solle der Spielbereich nicht hinausgezogen werden. Vor allem aber liege für die ursprünglich vorgesehene Wiese bereits das erforderliche Baurecht vor, weil das schon seinerzeit Voraussetzung für die Gewinnspiel-Bewerbung gewesen sei.

 

„Traumspielplatz passt da in keiner Weise hin.“

Aber deshalb jetzt doch diese Wiese zu nehmen, kommt für die Gruppe nicht mehr in Frage. „Nur weil der Platz damals gut war, ist er unter der jetzigen Ausgangslage nicht mehr unbedingt geeignet“, stellte Rolf Lange fest. Fritz Vokuhl (WgiR) findet gar: „Ein Traumspielplatz passt da in keiner Weise hin.“ Und Volker Hahn glaubt: „Der Bürgermeister hat sich wohl in dieser Stelle festgebissen.“ Wenn er mit Gästen spreche, seien diese immer sehr zufrieden mit dem Kurpark, so Hahn. Sie würden überhaupt nichts geändert haben wollen, vor allem wollten sie hier keinen zusätzlichen Spielplatz. Da sei doch die Frage: „Geht es jetzt um diese Stelle oder um einen Traumspielplatz?“

Klaus-Richard Behling (BI) konnte diese Frage ein Stück weit nachvollziehen. „Ich habe manchmal das Gefühl, wir sprechen über eine heilige Kuh.“ Natürlich gebe es Interessenskonflikte und die bisher erreichte Spendensumme ermögliche leider noch keinen Traumspielplatz. Deshalb sei es sinnvoll, noch einmal zu reden.

 

„Hätten wir gewonnen, stünde Traumspielplatz schon da“

Die SPD hingegen versteht die Welt nicht mehr. „Hätten wir bei radio ffn gewonnen, dann stünde der Traumspielplatz jetzt schon da“, bemerkte Uwe Speit. Und Holger Thiesmeyer verwies auf den Widerspruch, Spenden für einen Spielplatz einsammeln zu wollen, aber keinen Standort für diesen zu haben. Brauche man wirklich Parkplätze an einem Spielplatz? Oder, so argwöhnte er, habe das „kuriose Vorgehen“ etwa damit zu tun, dass einem Ratsmitglied das benachbarte Baugrundstück gehört, auf dem einst der Kurpark-Bahnhof stand? Womit im Übrigen jenes Ratsmitglied gemeint ist, das auch Ende 2017 in einer Ausschusssitzung den Umplanungsantrag formulierte. Ein Vorwurf freilich, gegen den sich die CDU- und WgiR-Mitglieder entschieden verwahrten.

Gleichstellungsbeauftragte Inge Holzigel sah vor allem aus Sicht der Spenderinnen und Spender ein ganz großes Problem: „Die Vorstellung der Leute ist doch immer gewesen, der Traumspielplatz kommt in den Kurpark.“ Außerdem erinnerte sie an das Debakel mit der Skateranlage, die vor etwa 20 Jahren nach langer Diskussion aufs Schickertgelände verbannt worden war und dort erwartbar ungenutzt blieb.

 

„Dialog suchen, bevor das Fallbeil fällt“

Natürlich betonten alle brav, wie sehr sie das Engagement des Kinderschutzbundes bewundern. Allerdings habe man im Vorfeld nicht mit den Initiatorinnen gesprochen, räumte Rolf Lange auf Thiesmeyers Frage hin ein. Das sei ja aber auch Aufgabe der Verwaltung, befand er und versetzte damit den SPD-Kollegen in Erstaunen: „Man kann doch nicht diejenigen übergehen, die sich da so stark einsetzen“, meinte Thiesmeyer. Ähnlich empfindet Klaus-Richard Behling: „Man sollte schon den Dialog mit dem Kinderschutzbund suchen, bevor das Fallbeil fällt.“

Volker Hahn vermisste eher seinerseits die Wertschätzung des Rates – vonseiten der Verwaltung seien einmal mehr einfach „Fakten geschaffen“ worden, da fühle man sich doch „verarscht“. Er sei aber damit einverstanden, den Antrag zu vertagen, wenn nunmehr „keine weiteren Fakten von der Verwaltung geschaffen“ würden. Der Ausschuss stimmte denn auch gegen die beiden SPD-Stimmen einhellig für die Vertagung.

 

„Dann hätten wir das Vertrauen bei vielen Menschen verloren“

Übrigens machten während der gesamten Sitzung alle denselben Denkfehler: Sie setzten drei Bewerbungen um den Traumspielpark mit drei ganzen Jahren gleich. Tatsächlich war der Traumspielpark im April 2016 zum ersten Mal Thema, also vor zwei Jahren. Und bei der Ende August gestarteten Sammelaktion des Kinderschutzbundes sind es zwar statt der erhofften 150.000 Euro bisher „nur“ 30.000 Euro geworden, die aber kamen immerhin nach etwa neun Monaten zusammen.

Bei gleichbleibendem Aufkommen wäre die Gesamtsumme also in etwa drei Jahren erreicht. Würde man das Projekt hingegen jetzt einfach so stoppen, weiß Behling, „dann hätten wir das Vertrauen bei vielen Menschen verloren.“ Und folge man der Anregung, das Geld nun auf alle Bad Lauterberger Spielplätze zu verteilen, verdeutlichte Thiesmeyer, „dann ist der Traumspielplatz beerdigt.“  


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