Sonntag, 19. November 2017


Geschrieben von Rotary Club / Peter Bischof am 10. September 2017
Vereine und Verbände

46 Paten für Streuobstwiese

Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz finanziert die Anpflanzung der Bäumchen

Schon die Welfen wussten, wo es schön ist: der ehemalige Weinberg der Schlossherren
Schon die Welfen wussten, wo es schön ist: der ehemalige Weinberg der Schlossherren
Begutachteten die Streuobstwiesen auf dem Weinberg in Herzberg: Egon Stützer, Wolfgang Drebing-Bachmann, Willi Weber, Bürgermeister Lutz Peters, Christoph Böning-Spohr, Brigitte Götz und Andreas Körner (von links)
Begutachteten die Streuobstwiesen auf dem Weinberg in Herzberg: Egon Stützer, Wolfgang Drebing-Bachmann, Willi Weber, Bürgermeister Lutz Peters, Christoph Böning-Spohr, Brigitte Götz und Andreas Körner (von links)
Die Pflege der rund 100 Jahre alten Obstbäume wurde vernachlässigt. Trotzdem tragen sie viele Früchte
Die Pflege der rund 100 Jahre alten Obstbäume wurde vernachlässigt. Trotzdem tragen sie viele Früchte
"Die Hanglage mit der fast ganztägigen Sonneneinstrahlung ist ideal."  Christoph Böning-Spohr, Biologielehrer am EMA-Gymnasium Herzberg
"Die Hanglage mit der fast ganztägigen Sonneneinstrahlung ist ideal." Christoph Böning-Spohr, Biologielehrer am EMA-Gymnasium Herzberg
"Frühreifes" Obstbäumchen: die ersten beiden Äpfel wachsen bereits nach zwei Jahren
"Frühreifes" Obstbäumchen: die ersten beiden Äpfel wachsen bereits nach zwei Jahren

Aus dem Bienenstock am Waldrand ist das leise Summen der Insekten zu hören. Von den Häusern unten am Berg klingt leises Hundegebell herauf, am Himmel kreist eine Gabelweihe. Reife Äpfel leuchten rot in der Morgensonne. Auf dem Fallobst im Gras krabbelt ein Käfer. So idyllisch kann es in Herzberg zugehen...
Am Weinberg in Herzberg sind in den letzten beiden Jahren zwei Streuobstwiesen neu angelegt worden. Im kommenden Herbst soll eine weitere Wiese mit zwanzig Bäumen hinzukommen. Die neue Anpflanzung wird vom Rotary Club Bad Lauterberg-Südharz finanziert.

Ideale Doppelnutzung
"Bei den Streuobstwiesen handelt es sich um eine ideale Kombination von Ökologie und Ökonomie", erläutert Christoph Böning-Spohr, Biologielehrer am Ernst-Moritz-Arndt Gymnasium Herzberg. "Unter den hochstämmigen Bäumen, die das Obst liefern, weideten früher die Rinder."

Diese Doppelnutzung hätten bereits die Griechen und Römer in der Antike für sich entdeckt. Während seinerzeit die Auswahl bzw. Weiteranpflanzung über die Verwendung der Kerne eher zufällig gewesen sei, habe man später die Ausleseverfahren über die Qualität der Früchte gesteuert.

Weinberg der Welfen
Die Streuobstwiesen am Weinberg stehen auf dem Gelände von Egon Stützer. Er erwarb das alte Forsthaus samt Grundstück, bei dem es sich um den ehemaligen Weinberg des Welfenschlosses handelt, und entdeckte dabei für sich die Pflege der Obstbäume als Ausgleich für seinen Beruf als Taxiunternehmer.
Zwischen den vor zwei Jahren gepflanzten jungen Obstbäumen stehen noch einige rund 100 Jahre alte Apfelbäume. An ihren weitausladenden Ästen hängen dutzende reife Früchte. Für den Laien ein malerischer Anblick, für die Fachleute wie Egon Stützer und Christoph Böning-Spohr ein Zeichen für mangelhafte Pflege. "Diese Bäume sind mindestens dreißig Jahre nicht beschnitten worden, deshalb sind ihre Äste so wild gewachsen."

Bäume brauchen Pflege
Denn, das betont Willi Weber, ein Freund, Nachbar und Helfer Egon Stützers, der sich ebenfalls für die Pflege der Obstbäume sehr engagiert: "Es reicht nicht, die Bäumchen einzupflanzen, man muss sich auch nachhaltig darum kümmern." Das beginnt mit dem Wegschneiden der wilden Triebe, damit die Stämme einzeln wachsen. Und endet mit dem Beschneiden der Äste, damit diese eine hohe Tragkraft entwickeln und nicht nur in die Länge wachsen.
Dann können spätestens nach zehn, manchmal auch schon nach vier Jahren, auf den jungen Bäumen die ersten Früchte wachsen. Und das auf den Wiesen am Weinberg unter sehr guten Bedingungen. "Die Hanglage mit der fast ganztägigen Sonneneinstrahlung ist ideal", erklärt Christoph Böning-Spohr. "Bei frühen  Nachtfrösten fließt die Kälte nach unten ab."  Das sei gerade für Obstsorten wie Aprikosen, Mirabellen und Pfirsiche wichtig. So blühe die Aprikose häufig bereits in der zweiten Märzhälfte.
Diese Sorten hatte der Biologielehrer mit seiner Umweltklasse auf der zweiten Wiese im letzten Jahr angepflanzt. Auch bei der Auswahl der Bäumchen legte man Wert auf Qualität. So stammen die bereits genannten Aprikosenbäumchen aus dem Gebiet an der Saale nahe Bernsburg. Bei der Apfelsorte wurde der Grafensteiner ausgewählt.

Ohne Bienen geht es nicht
Allerdings ginge das alles selbst bei besten Obstsorten nicht ohne die Bienen, denn nur aus bestäubten Blüten können sich Früchte entwickeln. Deshalb bereitet der Rückgang dieser Insekten allen Beteiligten große Sorgen. Gab es 1991 noch 1,1 Millionen gemeldete Bienenvölker in Deutschland, waren es 2016 nur noch 800 000. Eine der Hauptursachen soll die Varroamilbe sein, so Christoph Böning-Spohr.

"Für die Wildbienen halten wir hier nicht gemähte Weideabschnitte vor, in denen verschiedene Wildblumen vorkommen, die vor allem im Frühjahr und Herbst blühen. Für die Honigbiene sind neben den Apfelblüten beispielsweise auch verschiedene Kleearten, Glockenblumen oder Schafgarbe wichtig."

Kosten für Pflege
In rund zwei Monaten, ‪am 7. November‬, sollen die sechzehn Bäumchen für die dritte Streuobstwiese gepflanzt werden. Der Wald ist gerodet, die Büsche entfernt und der Boden planiert. "Die 20 Schüler unserer Umweltklasse des 9. Jahrgangs werden mit Begeisterung dabei sein", so Brigitte Götz, Leiterin des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums. Und mit zehn Spaten, ergänzt ihr Biologielehrer.
 
"Unsere ursprüngliche Idee war, 46 Bäume zu pflanzen, also für jedes unserer Clubmitglieder einen", sagt Andreas Körner, Präsident des Rotary Clubs Bad Lauterberg-Südharz. "Da dafür der Platz aber nicht ausreicht, werden wir als Ergänzung die Kosten für die weitere Pflege und den Beschnitt übernehmen." Für den ist Christoph Böning-Spohr ebenfalls Experte. Auf dem Gelände der Sielmann-Stiftung bei Duderstadt hat er bereits Kurse zum Baumbeschnitt gegeben.  

Für das Streuobstwiesen-Projekt wird der Rotary Club ebenfalls an seinem Stand beim Fest "Juessee in Flammen" ‪am Samstag, 16. September‬, werben und um weitere Spenden bitten. Das Projekt unterstützen bisher schon der Landschaftspflegeverband des Landkreises Göttingen, das Gymnasium Herzberg, die Zukunftswerkstadt Herzberg und das Esperanto-Centro Herzberg als Kooperationspartner.

Fotos: Rotary Club Bad Lauterberg


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