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Dienstag, 25. September 2018


Geschrieben von Boris Janssen am 01. April 2016

Wirtschaft

125 Jahre – und ziemlich gut gehalten

Buchhandlung Moller: Zum Jubiläum am 1. April 2016 übernimmt Susanne Kinne das Geschäft von ihrer Mutter

Susanne Kinne mit ihrem Team und einem ersten Buchwichtel im ganz behutsam umgeräumten Buchladen.
Susanne Kinne mit ihrem Team und einem ersten Buchwichtel im ganz behutsam umgeräumten Buchladen.
Aber schon auf dem ersten Werbeplakat von Carl Mittag war eine Art Buchwichtel zu sehen.
Aber schon auf dem ersten Werbeplakat von Carl Mittag war eine Art Buchwichtel zu sehen.
Feiern das Jubiläum mit einer waschechten Buchpremiere: Bald-Ruheständlerin Freya Moller, Neu-Inhaberin Susanne Kinne und Autor Helmut Exner.
Feiern das Jubiläum mit einer waschechten Buchpremiere: Bald-Ruheständlerin Freya Moller, Neu-Inhaberin Susanne Kinne und Autor Helmut Exner.

Wenn Schriftsteller von der Liebe zum Buch schreiben, dann entführen sie ihre Leser gerne in eine Buchhandlung. Nicht in so eine moderne Filiale von einer großen Kette. Sondern in einen altehrwürdigen Laden mit dem Charme vergangener Jahrhunderte, Regale bis unter die Decke, über und über mit Büchern bestückt, mit dem typischen Geruch, den nur Gedrucktes zwischen zwei Buchdeckeln verströmt. Und hinter dem Tresen kommt dann der Verkäufer hervor, ein Original, nicht selten mit trockenem, hintersinnigem Humor und fast immer äußerst hilfsbereit und dienstbeflissen, bestrebt, jeden Wunsch erfüllen zu können. Im Grunde ist es so, als spukte im Hinterkopf der Schriftsteller die Bad Lauterberger Buchhandlung Limbarth-Moller herum.

Der kleine Laden am Beginn des Boulevards stammt tatsächlich aus vergangenen Jahrhunderten – aus dem Neunzehnten, um genau zu sein. Eröffnet am 1. April 1891 von Carl Mittag. Wer nachrechnet, stellt fest: Am 1. April 2016 begeht die Buchhandlung ihr 125-jähriges Jubiläum. Und vieles aus den Anfangsjahren ist noch da, allem voran die Möblierung mit den hohen Regalen.

 

Einzigartiger Uraltcharakter bleibt – Buchwichtel kommen

Gleichzeitig mit dem Jubiläum beginnt aber auch eine neu Ära. Nach über 51 Jahren übergibt Inhaberin Freya Moller das Geschäft an ihre Tochter Susanne Kinne. Die neue Chefin und ihre drei Mitarbeiterinnen – inklusive einer Auszubildenden – möchten für ein bisschen frischen Wind sorgen: Nachdem sich der eigene Online-Shop und -Bestellservice inzwischen etabliert hat, sollen sich die „Buchwichtel“ bald auch in der ganz realen Geschäftswelt ausleben können und zur Erkennungsmarke werden. Außerdem wurde das Sortiment um Geschenkartikel und hochwertigen Bürobedarf erweitert, der Laden sogar ein wenig umgeräumt, damit das gesamte Angebot übersichtlicher präsentiert werden kann und Kinderwagen wie Rollatoren mehr Platz haben. Und die Nebenräume sollen noch renoviert werden, das Geschäft mittelfristig vielleicht sogar einen kleinen Extra-Raum bekommen.

Aber eines ist Susanne Kinne wichtig: Der kultige „Uraltcharakter“ der Buchhandlung müsse unbedingt erhalten bleiben. „Ich bin meiner Mutter dankbar, dass sie den Laden damals nicht wie alle Anderen renoviert hat.“ So seien die Räume jetzt noch weitgehend im Originalzustand aus Zeiten der Gründung, ein „Alleinstellungsmerkmal“, wie Kinne sagt. „Ohne das wären wir austauschbar.“

 

Ein eigener Krimi zum Jubiläum

Austauschbar wie ewig gleiche Filialen oder anonyme Logistikcenter – und über die würde ein Buchliebhaber wohl schwerlich schreiben wollen. Die Bad Lauterberger Buchhandlung dagegen ist schon mehrfach in den Werken der regionalen Schriftsteller aufgetaucht. Zum Jubiläum nun hat sich Susanne Kinne gewünscht, dass der Laden einmal zu einem Hauptschauplatz wird. Also bat sie kurzerhand Helmut Exner um ein besonderes Geschenk, worauf sich der Harz-Krimi-Auto seinerseits nicht lange bitten ließ. Zumal ja auch nicht mehr allzu viel Zeit zum Schreiben war. Ganze zwei Monate hatte Exner zur Verfügung. Den Druck nahm er aber gelassen: „Wenn es läuft, dann läuft es.“ Herausgekommen ist der erste „Bad Lauterberg Krimi“. „Von alten Büchern und Leichen im Keller“ heißt er und vor allem der Südharzer Leserschaft wird nicht nur Lilly Höschen seltsam vertraut vorkommen. Vor allem sind da dieser alte, liebenswerte Buchladen und diese schrägen Buchhändlerinnen – echte Bad Lauterberger Originale eben.

 

Mitfeiern am 2. und 3. April 2016

Das 125-jährige Jubiläum wollen Freya Moller, Susanne Kinne und ihr Team am Samstag, 2. April 2016, und am verkaufsoffenen Sonntag, 3. April 2016, mit allen Bad Lauterbergern und ihren Gästen feiern.

Am Samstag geht es um 11 Uhr los. Es gibt Sekt für alle und die Kreismusikschule spielt vor dem Geschäft. Natürlich sind auch die Harz-Krimi-Autoren dabei: Helmut Exner, Roland Lange, Rüdiger A. Glässer und Kathrin R. Hotowetz werden vorbeischauen.

An beiden Tagen gibt es außerdem viele Überraschungen, Aktionen, Gutscheine und auch das Herzberger Kino lässt sich etwas einfallen.

 

Die Inhaber der Buchhandlung

1891     Carl Mittag (Gründer)
1892     Hermann Limbarth (bis 2016 Namensgeber)
1930er Jahre     Friedrich Rath und später dessen Ehefrau
1952   Dr. Klaus Dietze
01.01.1965     Freya Moller (anfangs noch als Freya Jacobshagen)
01.04.2016     Susanne Kinne

Kurioserweise bekommt das Geschäft erst jetzt mit der Übertragung offiziell den Namen, der in Bad Lauterberg längst gebräuchlich ist – eben Buchhandlung Moller. Seit Anfang an dagegen haben sich die jeweiligen Inhaber auch fürs kulturelle Leben in der Stadt engagiert. Sie haben Weltanschauungstage angeboten, bei denen sogar ein gewisser Max Planck referierte. Sie haben geholfen, den Kneippverein, den Kulturkreis oder die Kreisvolkshochschule ins Leben zu rufen. Sie haben eine Goethewoche veranstaltet. Und sie haben mit dem Mordharz-Festival ein neues jährliches Highlight geschaffen.

 

Fotos: Christian Dolle (oben), Boris Janssen (Mitte und unten)


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