Freitag, 15. Dezember 2017


Geschrieben von Boris Janssen am 13. Mai 2017
Wirtschaft

Buchwichtel Buchhandlung des Jahres

Niedersächsischer Buchhandelspreis 2017 geht an Bad Lauterberger Buchhandlung Moller, das zu Hause der Buchwichtel

Hat den Titel geholt: Das Team um Susanne Kinne. Es arbeitet in Niedersachsens Buchhandlung des Jahres, wie Niedersachsens Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajić (rechts) offiziell beurkundet hat.
Hat den Titel geholt: Das Team um Susanne Kinne. Es arbeitet in Niedersachsens Buchhandlung des Jahres, wie Niedersachsens Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajić (rechts) offiziell beurkundet hat.
Die Protagonisten des offiziellen Teils (von links): Preisträgerin Susanne Kinne, Dietrich zu Klampen (Landesverband des Börsenvereins), Ministerin Gabriele Heinen-Kljajić und Musiker Abud Abdallah Ghbash.
Die Protagonisten des offiziellen Teils (von links): Preisträgerin Susanne Kinne, Dietrich zu Klampen (Landesverband des Börsenvereins), Ministerin Gabriele Heinen-Kljajić und Musiker Abud Abdallah Ghbash.
Abud Abdallah Ghbash sorgte bei der Feier für einen besonderen Gänsehautmoment.
Abud Abdallah Ghbash sorgte bei der Feier für einen besonderen Gänsehautmoment.
Fand knackige Worte: Dietrich zu Klampen.
Fand knackige Worte: Dietrich zu Klampen.
Familientradition: Susanne Kinne mit ihren Töchtern Luna und Gaya sowie Mutter und Vorgängerin als Inhaberin Freya Moller.
Familientradition: Susanne Kinne mit ihren Töchtern Luna und Gaya sowie Mutter und Vorgängerin als Inhaberin Freya Moller.
Viele, viele Gäste gratulierten – zum Beispiel Janka Eckhardt im Namen des Kinderschutzbund-Ortsverbandes Bad Lauterberg…
Viele, viele Gäste gratulierten – zum Beispiel Janka Eckhardt im Namen des Kinderschutzbund-Ortsverbandes Bad Lauterberg…
…und natürlich auch Bürgermeister Dr. Thomas Gans.
…und natürlich auch Bürgermeister Dr. Thomas Gans.

Es ist offiziell: Niedersachsens Buchhandlung des Jahres steht auf dem Bad Lauterberger Boulevard. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur hat die Buchhandlung Moller mit dem Niedersächsischen Buchhandelspreis 2017 ausgezeichnet. In einer offiziellen Feierstunde im Zuhause der Buchwichtel verlieh Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajić am Mittwoch (10.05.2017) die Auszeichnung an das Team um Inhaberin Susanne Kinne.

Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird jährlich in Zusammenarbeit mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Nord vergeben. Man kann sich nicht darum bewerben, vielmehr werden die Preisträgerin oder den Preisträger durch eine unabhängige Expertinnen- und Expertenkommission empfohlen.

 

Nicht nur Geschäft, sondern Kultureinrichtung

Gabriele Heinen-Kljajić, am Mittwoch zum ersten Mal persönlich in der Buchhandlung Moller, zeigte sich in ihrer Laudatio ehrlich beeindruckt. Allein schon das Alter des Geschäfts, das 2016 sein 125-jähriges Jubiläum gefeiert hatte, hätte für den Preis gereicht, sagte sie. Aber das Beste sei, dass dieses Alter gar nicht kaschiert werde, im Gegenteil die frische Renovierung den Laden sogar seinem Ursprungszustand wieder näher bringt. „Das ist toll gelungen“, lobte die Ministerin.

Doch natürlich waren für die Jury vor allem die inneren Werte entscheidend. Dazu erklärte Heinen-Kljajić, was guten und erfolgreichen Buchhandel vor Ort auszeichne: Anstatt einfach etwas in eine Suchmaske einzugeben, könne man beim Stöbern auf Tischen und in Regalen echte Zufallsfunde machen. Die gute Beratung garantiere, dass sich Stammkunden auf persönliche Empfehlungen verlassen können. Und in einer richtigen Buchhandlung lasse sich das Buch als „ästhetisch-haptisches Objekt“ erleben – „denn ein Buch ist mehr als eine Ansammlung von Buchstaben.“ All das leiste die Buchhandlung Moller.

Aber sie leiste eben auch noch viel mehr drum herum: Signierstunden, Lesungen, das Mordsharz-Festival. „Sie übernehmen die Funktion einer Kultureinrichtung“, beschrieb Heinen-Kljajić die Bedeutung, die viele Buchhandlungen gerade im ländlichen Raum einnähmen. „Hier gibt es ja kein Theater oder ähnliches.“ Dazu komme im Fall der Buchwichtel das Engagement für den Lesenachwuchs, sei es beim Ferienpass oder mit Aktionen zum Welttag des Buches. Und zumal für ein Unternehmen in dieser Größe sei es nicht mehr selbstverständlich, dass hier auch ausgebildet werde.

 

„Sie sind unverzichtbar“

„Der Preis ist redlich verdient“, bestätigte Dietrich zu Klampen, Vorstandsmitglied des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Landesverband Nord. Als Buchhändlerin vertreibe Susanne Kinne ein Kulturgut und versuche mit viel Engagement – und unterstützt durch das Buchhandelssystem – „jeden Kundenwunsch auf Teufel komm raus zu befriedigen.“ Und das dank der Buchpreisbindung in aller Regel zum Festpreis. „Sie stemmen sich mit ganzer Kraft einer Entwicklung entgegen – der Entwöhnung vom Buch“, stellte zu Klampen fest. „Sie sind unverzichtbar.“

Wie das bei Preisverleihungen so üblich ist, antwortete die Geehrte mit einer Dankesrede, und natürlich fiel sie bei Susanne Kinne etwas unkonventioneller aus. Sie bezog die legendenumwobenen Buchwichtel ein und WhatsApp, Facebook und Instagram gleich mit. Sie richtete den Dank für die Zusammenarbeit an eine lange Liste von Institutionen und Unternehmen. Sie dankte Kunden und Freunden, „was so manches Mal das Gleiche ist“, ihren Töchtern und natürlich ihrer Mutter Freya Moller, die die Buchhandlung selbst ein halbes Jahrhundert geführt hatte, bevor sie sie zum Jubiläum im vergangenen Jahr übergab. Vor allem aber dankte sie jeder und jedem einzelnen ihres Teams mit persönlichen, emotionalen Worten.

 

„Das sucht seinesgleichen“

Das begeisterte Ministerin Heinen-Kljajić gleich noch einmal, wie sie nach dem offiziellen Teil im Gespräch mit LauterNEUES gestand: „Diese Warmherzigkeit hat mich schwer beeindruckt.“ Genau solch ein Teamgeist sei ein wesentlicher Erfolgsfaktor, denn „die Mitarbeiter müssen das Geschäft als ihr eigenes sehen.“

Auch die Einrichtung des Ladens gefiel Heinen-Kljajić: „Das sucht seinesgleichen. Es ist pfiffig, das im Originalzustand zu erhalten.“ Überhaupt erkläre sich die Buchhandlung selbst zum Konzept. Die Kulturministerin findet den Weg richtig, „das Alte nicht verleugnen und doch auf das Neue eingehen“, sich dem Wettbewerb mit dem Onlinehandel zu stellen und gleichzeitig die Vorteile des Internets zu nutzen. Und Mordsharz? „Das ist genial.“ Die Bedeutung solcher Angebote sei enorm, steigerten sie doch die Lebensqualität vor Ort, „das ist ein deutlicher Mehrwert.“

 

Würdige Feierstunde mit Gänsehautmoment

Eine würdige Feierstunde war mit rotem Teppich und Sektempfang sichergestellt – und mit vielen, vielen Gästen. Die musikalische Umrahmung übernahm Abud Abdallah Ghbash, der erst vor wenigen Monaten aus dem syrischen Aleppo nach Göttingen kam. „Integration geht über Kunst und Musik schneller als sonst“, erklärte Ministerin Heinen-Kljajić. Das wurde wenig später anschaulich bewiesen: Der Musiker spielte das letzte Stück nicht nur auf seiner Oud, einem Lauteninstrument, sondern sang auch als Überraschung den deutschen Text dazu – und der ganze Buchladen stimmte ein: „Die Gedanken sind frei“. Spätestens in diesem Moment hatten wohl nicht mehr nur die Buchwichtel eine Gänsehaut in der Buchhandlung des Jahres.    

 

Die Preisjury

Der unabhängigen Expertinnen- und Expertenkommission, die die Preisträgerin oder den Preisträger empfiehlt, gehören an:
Andrea Ribbers, langjährige Außendienstmitarbeiterin diverser Verlage,
Branka Felba, stellvertretende Vorstandsvorsitzende im Landesverband Nord e.V. und Geschäftsführerin des Bibliotheksdienstleisters Missing Link
Hans-Peter Wiechers, Journalist, Autor und Regisseur.


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