Freitag, 20. Oktober 2017


Geschrieben von PM am 06. Juli 2017

Wirtschaft

In 90 Jahren schon viele Herausforderungen gemeistert

Mitgliederversammlung der Gemeinnützigen Baugenossenschaft mit Rückblick auf die Erfolgsgeschichte

Von links: K.-H. Bleß, I. Fiedler, J. Pfeng, H. Kleine Arndt, H. Kreter, G. Hoffmann, E. Apel, T. Gans, F. Uhlenhaut
Von links: K.-H. Bleß, I. Fiedler, J. Pfeng, H. Kleine Arndt, H. Kreter, G. Hoffmann, E. Apel, T. Gans, F. Uhlenhaut

„Uns wird geschrieben: Zur tatkräftigen Unterstützung, Hebung und Förderung der Bautätigkeit in Bad Lauterberg wurde die Gemeinnützige Spar- und Baugenossenschaft gegründet. (…) Jeder am Wohnungsbau Interessierte kann sich an der Genossenschaft beteiligen. Der Genossenschaftsanteil beträgt 200 Reichsmark (…) Um die Mitgliedschaft jedem zu ermöglichen, kann der Geschäftsanteil in monatlichen Raten von fünf Reichsmark eingezahlt werden.“  So war am 07. Juli 1927 in den Bad Lauterberger Ortsnachrichten zu lesen.
Damals herrschte eine Wohnungsnot, die Einzelne nicht bewältigen konnten. In dem Zusammenschluss als Genossenschaft konnten seit Bestehen mehrere Hundert Wohnungen erstellt werden, von denen heute noch etwa 300 vermietet und verwaltet werden.
Die 23 Gründungsmitglieder der Baugenossenschaft musste seinerzeit jedoch erst einmal hohe Hürden überwinden. Denn die Weltwirtschaftskrise traf auch in Bad Lauterberg hart. In der Mitgliederversammlung 1929, also zwei Jahre nach der Gründung, wurde daher die Auflösung der Genossenschaft beantragt – glücklicherweise fand der Antrag keine Mehrheit. Mit Beharrlichkeit, organisatorischem Geschick und viel Gemeinsinn wurde 1930 das erste Bauvorhaben erfolgreich abgeschlossen, die Gebäude im Drahthüttenweg, der Ahnstraße und im Philosophenweg erbaut.

Die Stadt Bad Lauterberg als ältestes Mitglied

Eine große Hilfe dabei war dabei neben der damaligen Stadtsparkasse auch das heute älteste Mitglied, die Stadt Bad Lauterberg mit der Mitgliedsnummer 28. Sie kaufte damals z.B. Grundstücke von der Königshütte und überließ diese der Genossenschaft zur Bebauung. Nach dieser ersten Bauphase ging es stetig aufwärts, die Mitgliederzahl und die Zahl der neuen Wohnungen stieg ständig an. Doch im zweiten Weltkrieg wurde ein Wohnhaus in der heutigen Goethestraße stark beschädigt; Baumaßnahmen konnten wegen der Knappheit an Baumaterial nicht mehr durchgeführt werden. Nach 1945 war die Wohnungsnot, auch durch die Flüchtlinge, wieder eine große Herausforderung. In den 50er und 60er Jahren errichtete die Gemeinnützige Baugenossenschaft zahlreiche weitere Gebäude, vor allem im Stadtteil Aue, etwa im Steinweg, in der Zechenstraße und der Kleinen Uferstraße.

Ehrenamtliche Arbeit war lange die Regel

Bewundernswert dabei ist, dass all dies von den Genossen noch ehrenamtlich und nebenher geleistet wurde; erst 1968 wurde ein hauptamtlicher Geschäftsführer fest eingestellt. Der letzte Neubau erfolgte 1974 mit dem Gebäude Berliner Straße 25/25a.
Derzeit befasst sich die Baugenossenschaft vor allem mit der Modernisierung und Instandhaltung ihres Wohnungsbestandes. Auch heute noch sind die Mieter alle gleichzeitig auch Genossen und damit Miteigentümer, und die Gemeinnützige Baugenossenschaft bietet heute ebenso wie damals durch ihre Organisationsform sicheres und dabei dauerhaft preiswertes Wohnen.
Am 21.06.2017 fand die diesjährige Mitgliederversammlung der Gemeinnützigen Baugenossenschaft statt, wozu der Aufsichtsratsvorsitzende Gerold Hoffmann rund 80 Personen begrüßen konnte. Zum 90-jährigen Bestehen der Baugenossenschaft gratulierten auch Bürgermeister Dr. Thomas Gans und Heinrich Kleine Arndt vom Verband der Wohnungswirtschaft.

Gutes Ergebnis und viele Modernisierungen

 „Wir haben in einem schwierigen Vermietungsumfeld ein gutes Jahresergebnis für 2016 erzielt“, so der Vorstandsvorsitzende Ingo Fiedler. Bei einer Bilanzsumme von rund 4,61 Millionen und Verbindlichkeiten in Höhe von 2,06 Millionen Euro ergab sich eine sehr gute Eigenkapitalquote von 55,6 %.  Die Mieteinnahmen sind mit rund 1.231 Millionen Euro in etwa identisch zum Vorjahr geblieben. Die Zahl der Neueintritte und Austritte hielt sich in etwa die Waage; zum Stichtag 31.12.2016 hatte die Gemeinnützige Baugenossenschaft 629 Mitglieder.
Im Jahr 2016 seien zahlreiche Wohnungen modernisiert worden, erläuterte Fiedler. Dennoch werde man auch im laufenden Jahr dies als die wichtigste Aufgabe ansehen, um einen Investitionsstau aufzulösen. Auf große Einzelmaßnahmen wie beispielsweise eine neue Dacheindeckung wird daher in 2017 verzichtet zugunsten weiterer Wohnungsmodernisierungen. „Jede Wohnungsmodernisierung schlägt dabei mit rund 35.000 Euro zu Buche“, so der Vorstandsvorsitzende. Doch nur mit zeitgemäß ausgestatteten Wohnungen bleibt die Genossenschaft für Mietinteressenten attraktiv.

Lieber wachsen als verkaufen

Die Baugenossenschaft verfügt noch über bebaubare Grundstücke im Stollenweg und im Steinweg, dort ist aber kein Neubau geplant: „Wir befürchten, dass wir im Stadtteil Aue die hohen Mieten für einen Neubau nicht erzielen könnten.“  Stattdessen werden auf dem Grundstück im Steinweg voraussichtlich noch in diesem Jahr zusätzliche Pkw-Stellplätze entstehen. Eine klare Absage erteilte Fiedler den Spekulationen, ob die Genossenschaft Häuser verkaufen wolle: „Wir verkaufen nichts. Ganz im Gegenteil – wir sind eher daran interessiert, unseren Bestand zu erweitern und geeignete Objekte dazu zu kaufen.“

Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat wurde Karsten Spielvogel wiedergewählt, für die ausscheidende Jessica Pfeng wählten die Mitglieder Karl-Heinz Bleß in den Aufsichtsrat. An Stelle von Manuel Bormann-Willig wird künftig Frank Uhlenhaut einen Aufsichtsratsposten übernehmen. Sämtliche Wahlen erfolgten einstimmig.
Für 50-jährige Mitgliedschaft konnten Helmut Kreter und Erich Apel geehrt werden; Ilse Wilhelm konnte leider die Ehrung nicht persönlich entgegennehmen.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Gerold Hoffmann konnte sich über eine harmonische Jubiläumsversammlung freuen: „Der Genossenschaftsgedanke ist lebendig und mir ist es nicht bang um die Zukunft unserer Genossenschaft.“   Nach dem offiziellen Teil genossen die rund 80 Anwesenden noch eine rustikale Brotzeit und konnten sich derweil die an die Wand projizierten Fotos aus der Geschichte der Genossenschaft betrachten.


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