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Dienstag, 11. Dezember 2018
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Geschrieben von Peter Bischof am 28. November 2018
Vereine und Verbände

Es war ein Katastrophenjahr für die Wälder

Herzberger Grafenforst-Genossen luden am Samstag zur Jahreshauptversammlung ein

Die neuen Jagdpächter Almut und Stefan Meyer inmitten des Grafenforstvorstandes. Im Foto von links: Dirk Heidelberg, Stefan Meyer, Gunnar Faaborg, Almut Meyer, Gerhard Schrader, Manfred Kirchner, Bernd Wehmeyer und Rainer Füllgrabe.
Die neuen Jagdpächter Almut und Stefan Meyer inmitten des Grafenforstvorstandes. Im Foto von links: Dirk Heidelberg, Stefan Meyer, Gunnar Faaborg, Almut Meyer, Gerhard Schrader, Manfred Kirchner, Bernd Wehmeyer und Rainer Füllgrabe.
Die vom Wind gefällten Bäume stehen unter Spannung. Die Aufarbeitung ist mit hohem Risiko für die Forstarbeiter verbunden.
Die vom Wind gefällten Bäume stehen unter Spannung. Die Aufarbeitung ist mit hohem Risiko für die Forstarbeiter verbunden.
Der Holzmarkt sei zurzeit völlig verstopft, so Forstamtmann Joachim Säger bei seinem Bericht.
Der Holzmarkt sei zurzeit völlig verstopft, so Forstamtmann Joachim Säger bei seinem Bericht.
Das Holz sollte nach der Aufarbeitung schnell abtransportiert werden, da bei längerer Lagerung die Stämme aussen schwarz werden, was einen Preisverlust von rund 30 Prozent bedeutet.
Das Holz sollte nach der Aufarbeitung schnell abtransportiert werden, da bei längerer Lagerung die Stämme aussen schwarz werden, was einen Preisverlust von rund 30 Prozent bedeutet.
Wir haben für den neuen Pächter noch einige Hirsche übrig gelassen.“ Gunnar Faaborg, der bisherige Jagdpächter des Grafenforstes.
Wir haben für den neuen Pächter noch einige Hirsche übrig gelassen.“ Gunnar Faaborg, der bisherige Jagdpächter des Grafenforstes.
Rund 100 Mitglieder kamen zur Jahreshauptversammlung der Grafenforst in das Hotel Englischer Hof in Herzberg.
Rund 100 Mitglieder kamen zur Jahreshauptversammlung der Grafenforst in das Hotel Englischer Hof in Herzberg.
Leider keine guten Nachrichten konnte Bernd Wehmeyer, der Vorsitzende der Grafenforst, den Mitgliedern verkünden.
Leider keine guten Nachrichten konnte Bernd Wehmeyer, der Vorsitzende der Grafenforst, den Mitgliedern verkünden.
lmut und Stefan Meyer konnten sich über die Zustimmung der Genossen zu ihrem Pachtvertrag freuen.
lmut und Stefan Meyer konnten sich über die Zustimmung der Genossen zu ihrem Pachtvertrag freuen.

Der Sturm Frederike, der Borkenkäfer und der Sommer mit der extremen Dürre: Alles zusammen sei zu viel für den Waldbestand des Grafenforstes Herzberg gewesen, so Bernd Wehmeyer, der Vorsitzende der Forstgenossenschaft. Vor rund 100 Mitgliedern im Hotel Englischer Hof musste Wehmeyer deshalb ein negatives Ergebnis des abgelaufenen Wirtschaftsjahres vom 1. Oktober 2017 bis 30. September 2018 in Höhe von 858 Euro verkünden. Auf eine Ausschüttung auf ihre Anteile müssen die Genossen in diesem Jahr verzichten.
Aber die Wälder der Grafenforst sind natürlich nicht allein betroffen. Auch die Forstbetriebsgemeinschaft Northeim, zu der die Herzberger Forstgenossenschaft gehört, beklagte, dass es so ein Jahr bisher noch nicht gegeben habe. Man habe einen nassen pampigen Winter gehabt, erklärte Forstamtsmann Joachim Säger. Dem Sturmtief Herwart seien Ende Oktober 2017 allein im Grafenforst rund 1500 Festmeter Wald zum  Opfer gefallen.

Erst Herwart, dann Frederike

Dann habe das Orkantief Frederike im Februar 2018 weitere 11000 Festmeter auf die bereits von Herwart gefällten Bäume geworfen. Bisher habe man 6700 Festmeter aufarbeiten können, deshalb aber keine Zeit für andere Maßnahmen wie Läuterungen, also für die Bestandspflege, gehabt.
Ein weiteres großes Problem sei die Logistik gewesen. „Die Sägewerke der Region konnten das viele geworfene Holz nicht aufarbeiten. Wir mussten es teilweise bis nach Österreich oder Schweden fahren.“ Was natürlich höhere Transportkosten bedeutete. In Herzberg sei man noch in der glücklichen Situation, dass das Unternehmen Holz Reimann hier einen Verladebahnhof betreibe. Denn das geworfene Holz müsse nach der Aufarbeitung schnell abtransportiert werden, da bei längerer Lagerung die Stämme aussen schwarz würden, was einen Preisverlust von rund 30 Prozent bedeute. Deshalb könne man auch nur aufarbeiten, was abschließend schnell abtransportiert werden könne.

Holzpreise sind im Keller

Wobei die Preise ohnehin im Keller seien. „Der Markt ist total verstopft, es geht nichts“, so Säger. Zudem müsse man selbstverständlich innerhalb der Forstbetriebsgemeinschaft Northeim alle Waldbesitzer gleich behandeln. Man habe deshalb einen Ausgleichsfond geschaffen, der allen innerhalb der Gemeinschaft einen Preis von 40 Euro pro Festmeter gewährleisten solle. Inzwischen seien die Preise für den Festmeter von 90 auf 50 Euro gefallen. „Aber sie werden weiter fallen.“

„Zum Glück boomt die deutsche Wirtschaft, so dass zumindest die Sägewerke keine Absatzprobleme haben.“ Forstamtmann Joachim Säger

Die großen Verwerfungen durch die Stürme bedingten zudem höhere Lohnkosten. Die beiden Forstmitarbeiter der Genossenschaft hätten nicht nur Sonderschichten, sondern auch unter hohem Risiko die Zuarbeiten für den Harvester leisten müssen, da alle Bäume unter Spannung gelegen hätten. Weiterhin habe man Hilfskräfte engagieren müssen, um das Arbeitspensum überhaupt schaffen zu können. Ein besonderer Dank ging hier an Rainer Füllgrabe, der tatkräftig ausgeholfen habe.

Supersommer für den Borkenkäfer

Weitere 10000 Festmeter seien im Grafenforst dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Der trockene Sommer wäre ideal für den Schädling gewesen. Gifte und Borkenkäferfallen zeigten zudem keine entscheidende Wirkung bzw. seien wegen des hohen Aufwandes nicht praktikabel. Wenn es keinen wechselhaften Winter gebe mit nassen und kalten Abschnitten und ein weiterer trockener Sommer folge, müsse man überlegen, welche drastischen Maßnahmen angebracht seien, so Säger. Das könne zum Beispiel die Aufgabe bestimmter Flächen sein. Das gelte auch, wenn der Holzpreis weiter falle, wenn also das Aufarbeiten teurer werde als die zu erzielenden Einnahmen.
Zurzeit könne man das Holz nur noch einigermaßen auskömmlich nach China, Indien und Vietnam verkaufen. „Zum Glück boomt die deutsche Wirtschaft, so dass zumindest die Sägewerke keine Absatzprobleme haben.“

Nur Fichte für die Genossen

Auch die Forstgenossen müssen beim Berechtigungsholz in diesem Jahr mit Fichte statt Buche vorlieb nehmen. Da der Brennwert der Fichte geringer sei, berechne man nur 30 Euro pro Raummeter, so Bernd Wehmeyer, statt 40 Euro wie beim Buchenholz.
Im abgelaufenen Wirtschaftsjahr verbuchte die Genossenschaft Einnahmen und Ausgaben in Höhe von jeweils 430.000 Euro, berichtete Rechnungsführer Friedhelm Hohmann. Größter Posten bei den Einnahmen waren die Holzverkäufe in Höhe von 258.000 Euro. Aus der Verpachtung der Jagd erhalten die Forstgenossen 18.600 Euro inkl. Mehrwertsteuer. Bei den Ausgaben schlugen Lohnkosten in Höhe von 100.000 Euro und Fuhr- und Rückekosten von 105.000 Euro zu Buche.

Neue Jagdpächter aus Ostholstein

16 Rehe, 22 Wildschweine, fünf Waschbären, ein Fuchs und 21 Stück Rotwild habe man geschossen, zählte der nach neun Jahren scheidende dänische Jagdpächter Gunnar Faaborg auf. Aber man habe dem neuen Jagdpächter noch einige Hirsche übrig gelassen, so Faaborg in seiner launigen Abschiedsrede.
Anschließend stimmte die Versammlung dem Abschluss eines Vertrages mit dem neuen Jagdpächter Stefan Meyer aus Barmstedt in Ostholstein zu. Stefan Meyer, 57 Jahre, ist selbstständiger Gartenbauingenieur. Er pachtet die Jagd zusammen mit seiner Ehefrau Almut, die neben ihrem Beruf Gartenarchitektin nicht nur Jägerin ist, sondern auch Jagdhunde ausbildet. Der Kontakt in den Südharz zur Jagdaufseherin Iris Wohlfahrt aus Scharzfeld sei über die letztgenannte Tätigkeit entstanden.
Stefan Meyer verfügt über langjährige Jagderfahrung, er ist in Ostholstein Pächter eines Niederwildrevieres. Er sei, so Stefan Meyer, schon in jungen Jahren mit seinem Vater und seinem Opa zur Jagd gegangen. Sein Vater sei Kreisjägermeister gewesen. Als Antrittsgeschenk brachte das neue Pächterehepaar 75 junge Eichenbäume mit.


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