Sonntag, 17. Dezember 2017


Kommentar von Boris Janssen, 08. September 2015
Das ist doch...

…ungerecht

Diskriminierung: In Bad Lauterberg hat nicht jeder die gleiche Chance aufs wohlverdiente Knöllchen

Knöllchen? Doch nicht einfach so für Jeden. Wer sich nur irgendwie halb auf den Behindertenparkplatz stellt, hat noch lange kein Anrecht auf seine Verwarnung.
Knöllchen? Doch nicht einfach so für Jeden. Wer sich nur irgendwie halb auf den Behindertenparkplatz stellt, hat noch lange kein Anrecht auf seine Verwarnung.

Vor dem Gesetz sind alle gleich – steht ja so im Grundgesetz. Insofern hat sich da am Montag (07.09.2015) gegen halb drei unter der ehrwürdigen Linde in der Schulstraße etwas verfassungsmäßig Zweifelhaftes ereignet – richtig echte Diskriminierung. Das städtische Ordnungsamt wandelte im Sinne der Parkraumbewirtschaftung vorbei und überprüfte die Treue zur städtisch vorgegebenen Parkordnung. Die sieht in diesem Abschnitt der Schulstraße Anwohnerparken – Bezirk B und genau einen schön breiten allgemeinen Behindertenparkplatz vor. Klar gesetzte Spielregeln also, nach denen man sich ein hübsches Knöllchen verschaffen kann.

Am Montag nun gelang das einem mittig vor der Linde geparkten Kleinwagen. Scheibenwischer hoch, Knöllchen dran. Die Taktik war zwar etwas mau: Bei einem Wagen, der schon seit gefühlten Ewigkeiten immer irgendwo im Anwohnerparkbereich B herumsteht, den legitimierenden Parkausweis mal nicht hinter die Scheibe zu legen, sondern nur mäßig versteckt in der Mittelkonsole zu vergessen. Aber nun ja, Spielregeln eingehalten, Knöllchen verdient. So what.

Ungerecht wird das Ganze aber jetzt: Direkt neben dem Knöllchenfänger stand schon seit mehreren Tagen ein anderes Auto in freudiger Erwartung eines verwarnungsgeldbewehrten Behördenpapiers auf dem Behindertenparkplatz. Schön mit Anwohnerpark- statt Behindertenausweis hinter der Scheibe, maximal raumgreifend und zur Krönung der Performance auch noch ein Stück weit auf der Straße. Doch Pustekuchen: Entweder wurde hier zu Ungunsten des Knöllchenbewerbers ausgelegt, das eine so große Stellfläche ja geradezu verlockend ist – da fallen keine Äste aufs Auto und niemand dengelt einem seine Tür ins geliebte Voiture. Oder aber das Ordnungsamt bewertete es fälschlicherweise schon als Behinderung im parkraumwirtschaftlichen Sinne, sich nicht vorstellen zu können, dass es Menschen gibt, die auf genau solch einen Parkplatz angewiesen sind, und dass davon auch noch nahezu täglich welche das Angebot in der Schulstraße gerne annehmen würden, wenn es denn frei wäre. Jedenfalls zog die zuständige Amtsperson kaum merklich stockend einfach weiter. Das so vehement umworbene Knöllchen wurde dem Bewerber verwehrt.

Und was nun so richtig ungerecht ist: Just jenes Fahrzeug wurde nicht zum ersten Mal einfach übergangen. Im Prinzip genau das Gleiche passierte schon einmal im Frühjahr, bloß damals stand das Auto nach Ostern bereits aufopferungsvolle drei Wochen unbewegt wie unbehelligt auf dem Behindertenparkplatz, als der neue benachbarte Mitbewerber umgehend sein Knöllchen verliehen bekam. Und noch schlimmer, andere Wagen auf dem Behindertenparkplatz erhalten – auch mit der Anwohnernummer – sehr wohl das ersehnte Schriftstück.

Nun will man wahrlich nicht erst Knöllchen-Horst auf die Sache ansetzen, bewahre. Aber es ist ja doch irgendwie traurig, dass das Grundgesetz einen Nachsatz nach George-Orwell-Art zu haben scheint: beim Parken in Bad Lauterberg sind einige gleicher.


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Blaulicht

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