Donnerstag, 19. Oktober 2017

Geschrieben von Boris Janssen am 30. Dezember 2012
Unlauter

Wahlbenachrichtigung: Facebook statt Postkarte

Es twittert von den Dächern: Damit sich das Wahlbenachrichtigungs-Debakel nicht wiederholt, setzt die Stadtverwaltung in Zukunft auf moderne Kommunikation und soziale Netzwerke.

Okay, mit dem neuen Postdienstleister sind die Wahlbenachrichtigungen schon mal angekommen. Aber um in Zukunft auf Nummer Sicher gehen zu können, testet die Stadtverwaltung zur Landtagswahl auch modernere Formen der Bürgeransprache.
Okay, mit dem neuen Postdienstleister sind die Wahlbenachrichtigungen schon mal angekommen. Aber um in Zukunft auf Nummer Sicher gehen zu können, testet die Stadtverwaltung zur Landtagswahl auch modernere Formen der Bürgeransprache.

Auf der jüngsten Ratssitzung musste sich der Bürgermeister schon wieder allerhand Fragen zu den verschusselten Wahlbenachrichtigungen anhören. Das geht ihm allmählich auf den Keks. Und so hat er einen guten Vorsatz fürs neue Jahr gefasst: Ein solches Debakel soll sich nicht wiederholen können.

Daher sinniert die Stadtverwaltung momentan über geeignete Alternativen zur bisherigen Praxis. Denn der ganze Bimmes mit Postkarten sei doch fürchterlich überholt, findet der Bürgermeister. Die Zeiten, in denen man seine Gewinnspiellösung noch auf Karton gekritzelt an das „ZDF - 6500 Mainz 500“ schickte, seien ja schon ein Weilchen vorbei. Da müsse man langsam mal nach moderneren Kommunikationswegen suchen.

Die zu nutzen, hätte auch zwei weitere Vorteile. Zum einen seien sie oft deutlich kostengünstiger als das sonst anfallende Porto, zum anderen erlaubten sie eine zielgruppengerechtere Ansprache. „Als Nebeneffekt könnten wir damit sogar die Wahlbeteiligung steigern“, ist der Bürgermeister optimistisch.

Task Force im Rathaus

Zur Landtagswahl am 20. Januar unternimmt die Stadtverwaltung bereits erste Tests – ganz inoffiziell versteht sich und noch nebenher zur herkömmlichen Karte. Dafür hat sie eigens im Fachbereich VI die Task Force „Wahl-B-Nachrichtigung“ gegründet. Nach einer ausführlichen Pilotphase, in der gründlich herumexperimentiert wurde, liegt jetzt sozusagen die Versuchsanordnung vor.

Die älteren Bürger, die der neuesten Technik gegenüber noch nicht so aufgeschlossen sind, möchte die Verwaltung mit Infoflyern – pardon, mit Informationsfaltblättern ansprechen. Sie sind in lesefreundlichem Großdruck gehalten.

An den Wähler gebracht werden sollen die Faltlinge als Beilage zur Apotheken-Umschau. Besonderer Vorteil: Ergäbe sich bei jemandem nach der Lektüre noch Informationsbedarf, könne er sich vertrauensvoll an das Apothekenpersonal wenden. Das Prinzip „Zu Risiken und Nebenwirkungen…“ sei den älteren Bürgern bestens vertraut, habe sich bewährt und könne ja generell bei einer Wahl nicht schaden, bei der die FDP antrete, so der Bürgermeister.

Man habe bei ersten Pilotflyern übrigens feststellen müssen, dass gerade diese Wählergruppe sehr sensibel auf sprachliche Feinheiten reagiert und deshalb gewissenhaft formuliert werden müsse. Zum Beispiel sei das vermeintlich unverfängliche Wort „Urnengang“ nicht besonders gut angekommen.

Wahlbenachrichtigung 2.0 – gezwitschert und angepinnt

Einfacher sei es da schon bei Wahlbenachrichtigungen für die technikaffinen Bürger – insbesondere bei Twitter, wo ausschweifende Formulierungen ja sowieso nicht gerade zur Netiquette gehören. „Unsere Follower lieben es schnörkellos – eine kurze, knappe Ansage reicht völlig“, weiß der Bürgermeister und zeigt stolz das Ergebnis der fünfwöchigen Pilotreihen:

Bürgermeister @der_buergermeister_der_stadt_bad_lauterberg_im_harz_-_staatlich_anerkanntes_kneipp-heilbad_u_schroth-kurort:  20.01.: Wahl. Hingehen!“

Wer twittert, der muss natürlich auch facebooken. „Gerade über Facebook können wir die Jugend für die Politik begeistern“, ist der Bürgermeister selbst ganz angetan. Man müsse sich nur einen kleinen Gag einfallen lassen, schon würden die Erstwähler das „Event Wahl“ fleißig liken, posten und teilen. Für den Test bei der Landtagswahl hat sich die Task Force eine Aktion an die virtuelle Pinnwand gepappt, die dem Bedürfnis der Jugendlichen nach einem Gruppenerlebnis besonders gerecht wird:

Aufgepasst! Am Sonntag, 20. Januar, 12.34 Uhr: Flashmob im Wahllokal. Mitbringen: Kugelschreiber, Perso. Was passiert: Crowd Voting. Ende: 12:36 (aber nur, wenn die da mit dem Wählerverzeichnis hinterherkommen LOL).“

Der Bürgermeister und seine Task Force sind überzeugt, mit ihrer neuen Form der Wahlbenachrichtigung viel näher an die Menschen heranzukommen. Und was solle daran falsch sein, wenn wählen auch Spaß macht? „Spätestens wenn wir die Wahlbeteiligung auf über 90 Prozent kriegen, haben diese beknackten Karten bei uns ausgedient“, sagt der Bürgermeister.

Nur für eine kleine Unwägbarkeit hat die Stadtverwaltung noch keine Gegenstrategie entwickelt: Was passiert, wenn der Flashmob zu einer chaotischen Facebook-Party mit fünftausend Jugendlichen mutiert? Erstens reichen dann die Wahlscheine gar nicht – und zweitens würde hinterher bestimmt wieder irgendjemand Fragen stellen.


Die Redaktion weist aus gegebenem Anlass darauf hin, dass es sich bei diesem Beitrag um eine Satire handelt. Im Übrigen wird die Stadtverwaltung künftig alle Nichtwähler einfach von ihrer Facebook-Freundesliste streichen.



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