Montag, 18. Dezember 2017

Geschrieben von Boris Janssen am 03. Oktober 2012
Unlauter

Noch mehr Stunden im Rat – Teil 7¾

Das i-Tüpfelchen fürs Stadtsäckel

Das Halten dieses possierlichen Algenfressers wird demnächst stärker besteuert: Ein zoohandelsüblicher Tüpfelantennenwels. (Foto: Wikipedia/sannse)
Das Halten dieses possierlichen Algenfressers wird demnächst stärker besteuert: Ein zoohandelsüblicher Tüpfelantennenwels. (Foto: Wikipedia/sannse)

Einstimmig hat der Stadtrat die Erhöhung der Tüpfelantennenwels-Steuer beschlossen. Damit steigt die Steuer um 10 Cent pro Monat für jeden Auswuchs – also jede „Antenne" – eines Tieres. Zuvor wurde aber kontrovers diskutiert.

Nachdem Ratsherr Müller fragte, welche Berechtigung diese Steuer auf die possierlichen Algenfresser eigentlich habe, merkte Ratsherr Meier an, das Ziel einer Steuer sei das bloße Geldeintreiben. Und für dieses Ziel sehe er da durchaus noch ganz anderes Potential. Man solle doch mal überlegen, endlich auch Abgaben auf Nymphensittiche und Zwergwidder wildgrau-hasengrau einzuführen.

Im Sinne der Steuergerechtigkeit forderte Ratsherr Lüdenscheid bessere Überwachung: Es könne nicht sein, dass der ehrliche Bürger brav zahlt, während sich gleichzeitig beim Nachbarn ein ganzer Schwarm „schwarzer" Tüpfelantennenwelse tummele.

Unterschiedliche Auffassungen zu Kontrolldichte

Ratsherr Loose dagegen empfindet die Kontrolldichte schon jetzt als ausreichend bis enervierend: Mehrfach habe er in den letzten Tagen den Mitarbeitern des Ordnungsamtes sogar seine Aquarium-DVD vorspielen müssen. Die ganzen 270 Minuten – mit isländischer Tonspur.

Ratsherr Meier hingegen stellte fest, noch nie habe er jemandem seinen Premium-Außenfilter mit Hydrotech-Technologie und Hochleistungs-Vorfilterpatrone zeigen können ... äh ... habe jemand den eventuellen Besatz des Aquariums mit Tüpfelantennenwelsen nachgeprüft. Die Mitarbeiter sollten außerdem mehr auf Hinweise aus der Bevölkerung achten, zum Beispiel wenn Nachbarn auffällige Käufe von Tetra-Power-Tabletten, Mückenlarven oder Minikäschern melden.

Mit Webcam auf Welsjagd

Der Kämmerer nahm seinen Außendienst in Schutz: Die Mitarbeiter seien zu gewissenhaften Kontrollen angewiesen. Leider gebe es jedoch immer eine Dunkelziffer, da die nachtaktiven Tiere häufig untertauchten. Man ziehe allerdings in Erwägung, eine Ausrüstungspflicht für neugekaufte Aquarien einzuführen: Demnach solle jedes Aquarium mit einer nachtsichtfähigen Webcam ausgestattet und die Besitzer zum dauerhaften Aussenden eines Internet-Livestreams verpflichtet werden. So könne man eine lückenlose Kontrolle gewährleisten – theoretisch zumindest. Man setze dabei auch auf Bürgerengagement. Jedenfalls würde die Verwaltung mit dieser Maßnahme auf deutlich mehr Tüpfelantennenwelse aufmerksam werden, hofft der Kämmerer. Außerdem könne man das Material sammeln und selbst eine ansprechende DVD-Box herausbringen. Der Kämmerer zwinkernd: „Fürs gebeutelte Stadtsäckel wäre das quasi das i-Tüpfelchen."

Ratsherr Klöbner konnte die ganze Aufregung nicht fassen: „Das ist doch Quatsch, den wir hier diskutieren." Wem die Tüpfelantennenwels-Steuer nicht passe, der solle sich halt Fischstäbchen ins Wasserbecken legen.

Weitere Neuerung für die Aquarianer: Mit der überarbeiteten Satzung wird eine Anregung des Präventionsrates aufgenommen – es gibt ab sofort eine stark erhöhte Sondersteuer auf Kampffische.


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