Freitag, 18. August 2017

Geschrieben von Boris Janssen am 29. März 2013
Unlauter

Revolution im Vatikan: Ostern eine Stunde kürzer

Der wahre Grund, warum am Sonntag die Uhren etwas schneller ticken

Ostersonntagnacht werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Eieruhren (unten) sind davon aber nicht betroffen.
Ostersonntagnacht werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Eieruhren (unten) sind davon aber nicht betroffen.

Na, schon den Wecker gestellt? Sonntagnacht (31.03.2013) beginnt die Sommerzeit, um zwei werden die Uhren – zack – einfach so auf drei vorgekurbelt. Glücklich, wer da eine Funkuhr oder sich sonst wie von allein stellende Zeitmesser sein eigen nennt und also selig weiterschlafen kann.

Über den Grund für die Sommerzeit wird indes fleißig gemutmaßt. Manche denken, damit solle den Menschen im Sommer mehr Zeit im Garten geschenkt werden: nach dem Grillen um 19 Uhr noch dreieinhalb Stunden warten, bis endlich die stimmungsvollen Windlichter illuminiert, die schwedischen Baumfackeln abgefackelt, die Himmelslaternen in den Himmel ausgesandt werden können. Etwas Muße nach dem harten Arbeitstag. Aber das ist natürlich sozialromantischer Unsinn.

Auch die These vom Energiesparen ist Humbug. Wer will ernsthaft glauben, Vattenfall, Eon und Co. würden eine solche Maßnahme einfach so hinnehmen, ohne sofort ihre Lobbyisten auf die Regierung zu hetzen.

Selbst Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat nichts mit der verlorenen Stunde am Ostersonntag zu tun. Obwohl deutsche Unternehmen die eingesparten Feiertagszuschläge sicher gut gebrauchen können. Schließlich muss man dem Manager auch zum nächsten Geburtstag ein angemessenes Präsent zukommen lassen – sagen wir mal, einen kleinen Cayenne für die Porsche-Sammlung. Sonst wandert die qualifizierte Führungskraft am Ende noch ganz enttäuscht in die Ferne aus, zum Beispiel dahin, wo die Waren der Firma zusammengeschraubt werden, oder doch lieber dorthin, wo die gesammelten Boni schon auf dem Konto liegen.

Nein, das Zeigergeschiebe am Sonntag hat einen ganz anderen Urheber – und der sitzt im Vatikan. Papst Franziskus ist noch in der Probezeit und schon muss er ein komplettes Osterfest abliefern, inklusive dem wichtigen Karfreitag: Kreuzweg, Urbi et Orbi, das ganze Programm. Ausgerechnet nach der zehrenden Fastenzeit. Das schlaucht.

Damit er nicht in die gleiche Burn-Out-Falle tappt wie Benedikt XVI., hat Franziskus die eher seltene Gelegenheit beim Schopfe gepackt, als Papst mit seinem Vorgänger zu sprechen. Bei ihrer Unterredung haben die beiden denn auch schnell eine pragmatische Lösung gefunden – viel zügiger als das Konklave und ganz ohne Quarzerei. Ostern soll um eine Stunde kürzer werden! Das Entfallen einer unbedeutenden Stunde mitten in der Nacht werde das Event weder schädigen noch entwerten, dafür aber den Eventmanager deutlich entlasten, so die Überlegung. Und außerdem kann man als Papst ja auch mal einfach so die Regeln ändern, basta.

Somit zeichnet der neue Papst für eine erste handfeste Revolution verantwortlich, wenn auch nicht gerade von dem Kaliber, wie es sich so mancher erhofft hatte. Begeisterte Osterfans können dennoch beruhigt werden: Auf Eieruhren hat die Sommerzeit keinen Einfluss. Ein hartgekochtes Ei braucht nach wie vor zehn bis fünfzehn Minuten – oder ein Gefühl, mit dem alles in Ordnung ist.


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